Wo die Steine sprechen, Miteinander auf dem Weg, Wallfahrten & Pilgerwege, Jahrbuch der Diözeses Gurk 2001, 94-96

May 27, 2017 | Author: Franz Glaser | Category: Archaeology, Late Antique Archaeology, Early Christianity, Archaeology of churches, Archaeology of pilgrimage, Archaeology of Roman Noricum
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Wo die Steine sprechen

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Der Hemmaberg in Südkärnten ist einer der ältesten vVaHtaI!rts~ ort~ E~lropas }~nd bietet eine einzigartige Ansammlung von früh~ christlichen Kuchen. Au! r : Franz Glaser

Den Funden zufolge war der Hemmaberg

des Gipfelplateaus. Die Archäologen konnten

bei Globasnitz im [auntal bereits im zweiten Jahrtausend vor Chr. besiedelt. Im dritten Jahrhundert vor Chr, wanderten die Kelten in den Kärntner Raum ein.Auf dem Hemmaberg entstand ein Heiligtum der keltischen Gott­ heit jouenat, Die Wasserquelle in der Rosali­ engrotte des 842 rn hohen Berges spielte für das leben und den Kult der Kelten eine be­ sondere Rolle. Bereits in der frühen römischen Kaiserzeit (um 50 n. Chr.) siedelte die Bevölkerung im Bereich der römischen Straßenstation Juenna (heute: Globasnitz). Als die Völkerwanderung unsichere Zeiten für Gut und leben brachte, zogen die Bewohner um 400 nach Chr. auf den Hemmaberg,

die Klerusbank. den erhöhten Altarraum mit einer Reliquiengrube, eine Sakristei, einen Raum mit Heizkanal sowie eine benachbarte Zisterne feststellen. In den Vorhallen der Kir­ che waren Priester. Kirchenstifter(innen) und ihre Familien bestattet, während die übrigen Bewohner in einem Friedhof außerhalb des ßefestigungswaHes begraben worden waren. Schließlich führte die Verehrung von Reliqui­ en von Märtyrern ungefähr um 5 I 0 nach Chr. zur gleichzeitigen Errichtung zweier Doppelkir­ chenanlagen durch zwei christliche Gemeinden. Zu dieser Zeit (493-536) gehörte nämlich das Gebiet Kärntens und Sloweniens zum Ostgo­ renreich mit der Hauptstadt Ravenna.ln den be­ festigten Höhensiedlungen gab es daher neben den romanischen. katholischen Bewohnern auch Angehörige der zivilen und militärischen Verwaltung der Goten. die ein Christentum in der arianischen Form vertraten"

Erste

Christengemeinde.

Die Bergsiedlung wurde mit einem Befesti­ gungswerk umgeben und es entstand eine ers­ te Kirche der Christengemeinde am Rande

Frü h ch ristliehe Ausgrabungen

auf

dem Hemmaberg Foto:

ArChitektur uno künstle­ rische Ausstattung. Die östliche Doppelkirchenanlage besaß eine reiche Aus­ stattung mit Mosaikfußböden und bot in der Feierkirche (für die Messfeier der katholischen Gemeinde) nun fast doppelt so vielen Gläubi­ gen Platz wie die altere kleinere Kirche. In der Gedächtniskirche (Memorialkirche) waren die Reliquien eines Märtyrers in der Apsis unter­ gebracht. Dementsprechend errichteten Stif­ ter(innen) südlich anschließend ihre Grabka­ pelle. denn es galt erstrebenswert. möglichst nahe bei den Gebeinen eines Martyrers begra­ ben zu werden, weil dieser als Garant für die Auferstehung angesehen wurde. In dieser Kir­ che wurde der Gläubige auch gefirmt. nach­ dem er in der achteckigen Taufkapelle (Baptis­ terium) unmittelbar zuvor getauft worden war. Kirchliche Funktion. Architektur .und künsterltsche Ausstattung waren aufeinander abgestimmt, z, B. war der Platz der Taufe. des

Martyrer-grabes und der Eucharistiefeier durch Mosaikböden besonders hervorgehoben.

Kein eigener Sakralraum für die Firmung. Die westliche Doppelkirchenanlage bot in ihrer Feierkirche gegenüber dem älteren kleineren Gotteshaus 0, siehe Skizze) ebenfalls fast doppelt so vie­ len arianischen Gläubigen Platz. Altar und Martyrergrab waren im mosaikgeschmückten Presbyterium miteinander verbunden. Stifter waren in dieser Kirche ebenso wie in der zu­ gehörigen Taufkirche beigesetzt. Ein eigener Sakralraum für die Firmung fehlt. da es im arianischen Christentum nicht zu einer Ab­ trennung des Geistritus von der Taufe kam. Der Heilige Geist wurde nämlich nicht als ei­ gene göttliche Person aufgefasst.

Entwicklung zu einem frühChristlichen Wallfahrts­ ort. Für eine kleine Christengemeinde auf dem Hemmaberg war eine solche Zahl von

EHersdorfer

äst!: Doppelkirche (6.Jh.l A Gemeindekirche B Memorialkirche C Baptisterium D Grabkapelle F Zisterne

G Gebäude H Pilgerhaus 1 Heizkanäle eines älteren Gebäudes L Gebäude MAnbau P Gebäude

Lageplan

Ao. Univ.-Prof. Dr. Franz Glaser ist Leiter der Abteilung für Pro­ vinzialrömische Archäologie des Landesmuseums Kärnten.

frühchristlicher

Kirchen

auf dem Hemmaberg

großen Kirchen nicht nötig, doch die beson­ dere Verehrung von Märtyrern gab Anlass zu Pilgerreisen (Wallfahrten). Originale Märty­ rergebeine aus dem östlichen MitteImeer­ raum wurden bei den Ausgrabungen gefun­ den, doch kam bislang keine entsprechende Inschrift mit weiterer Information zutage. Für die Stifter(innen) aus den umliegenden Regionen war der Wallfahrtsort auf dem Hemmaberg bedeutend genug, um hier ihr Kapital einzusetzen und auch einen privile­ gierten Begräbnisplatz in den Kirchen zu er­ langen. Das ehemalige heidnische Tempelland als günstiger Bauplatz stand nicht zur Verfü­ gung, weshalb am steilen Abhang für die not­ wendige Terrassierung beider Doppelkir-

chen die enorme Menge von insgesamt 400 Kubikmeter Erdmaterial aufgeschüttet wer­ den musste. Für die Pilger waren mindestens drei große steingebaute Gebäude mit Küche und bodengeheiztem Speisesaal errichtet worden. Durch die besonders günstige Fundsituation konnte erstmals ein früh­ christlicher Wallfahrtsort mit archäologi­ schen Methoden in Mitteleuropa nachgewie­ sen werden. Mit der Einwanderung der damals noch heidnischen Slawen um 600 n. Chr. geht dieses Wallfahrtszentrum zugrunde. Die Missionie­ rung der Slawen beginnt dann im 8. Jh. unter dem Chorbischof Modestus, den BischofVirgii von Salzburg nach Karantanien sandte. I



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