Kritik woran? Zur Ambivalenz der kritischen Soziologie Hartmut Rosas

July 24, 2017 | Author: Peter Schulz | Category: Critical Theory, Sociology, Social Theory, Philosophy, Theodor Adorno, Critical Social Theory, Walter Benjamin, Capitalism, Alienation, Acceleration, Hartmut Rosa, Critical Social Theory, Walter Benjamin, Capitalism, Alienation, Acceleration, Hartmut Rosa
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Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie 2015; 2(1): 101–117

Peter Schulz

Kritik woran? Zur Ambivalenz der kritischen Soziologie Hartmut Rosas Zusammenfassung: Der Beitrag bestimmt das Verhältnis von Kapitalismus- und Modernekritik in der Theorie Hartmut Rosas. Dazu werden die für ihn zentralen Kategorien Beschleunigung, Entfremdung und Resonanz rekonstruiert, um aufzuzeigen, wie sich innerhalb seiner Theorie der Gegenstand der Kritik verschiebt. Hartmut Rosa erhebt den Anspruch einer radikalen Kapitalismuskritik, die sich auf die frühe Kritische Theorie beruft, und macht zugleich den Kommunitaristen Charles Taylor zu seinem zentralen Bezugspunkt. Die sich daraus ergebene Ambivalenz wird, so wird gezeigt, von Rosa im Zuge seiner Theorieentwicklung auf Kosten der Kapitalismuskritik aufgelöst. Schlüsselwörter: Kritik, Beschleunigung, Entfremdung, Resonanz, Erfahrung, kritische Sozialwissenschaft Critique of What? The Ambivalence of Hartmut Rosas Critical Sociology. Abstract: The article identifies the relation between the criticism of capitalism and modernity in the work of Hartmut Rosa. It details his major concepts acceleration, alienation and resonance to show how the critique changes its topic within the theory. Hartmut Rosa claims a radical criticism of capitalism in the tradition of Critical Theory. Concurrently his work bases on Charles Taylors Communitarianism. Rosa dissolves the subsequent ambivalence by dropping the criticism of capitalism. Keywords: Critique, Acceleration, Alienation, Resonance, Experience, Critical Sociology DOI 10.1515/zksp-2015-0005

Peter Schulz: Mitarbeiter am Arbeitsbereich Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, E ˗ Mail: [email protected]



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1 Einleitung Mit der globalen Wirtschaftskrise ab 2007 fand Kapitalismuskritik wieder einen Platz in der medialen Diskussion und in den Sozialwissenschaften. In der deutschsprachigen Soziologie trat an die Stelle der Systematisierung von Kritikformen, die durch die Übersetzungen der Arbeiten Boltanskis (Boltanski/Thevenot 2007, Boltanski/Chiapello 2003) angeregt in den Jahren zuvor prominent diskutiert wurde (vgl. exemplarisch Jaeggi/Wesche 2009, Celikates 2009), vermehrt eine soziologische Kritik der derzeitigen Gesellschaft selbst. Doch inwiefern gelingt es dieser Kritik, ihren Gegenstand angemessen zu bestimmen, und um welchen Gegenstand handelt es sich hierbei überhaupt? Diese Frage soll an der Theorie Hartmut Rosas erörtert werden, einem der Protagonisten der Jenaer Soziologie, die sich 2009 programmatisch auf einen „große[n] Akt der ‚Erneuerung‘“ verpflichtet hat: „die Rückkehr der Kritik in die Soziologie“ – und diese hierbei klar als Kapitalismuskritik verstanden wissen will, die ihre „wesentliche Quelle der Inspiration aus der Marx’schen bzw. marxistischen Theorie bezieht“ (Dörre u. a. 2009a, S. 12). Rosas Theorie eignet sich für diese Erörterung, da sie von der Gegenwartsdiagnose der sozialen Beschleunigung aus eine Modernisierungstheorie entfaltet, die zugleich Gesellschaftstheorie, Zeitdiagnose, Entfremdungstheorie und kritische Intervention zu sein beansprucht. Diesen Anspruch erhebt Rosa, da „Beschleunigung und Entfremdung Schlüsselkategorien für eine zeitdiagnostisch gewendete Sozialkritik der Gegenwart“1 (Rosa 2009a, S. 31) seien, und diese Form der Kritik Kern und Antrieb der Soziologie als ganzer ausmache. Sein Anspruch ist also kein geringerer, als eine neue, kritische Soziologie zu fundieren; womit seine Theorie auch an diesem Anspruch gemessen werden kann. Dazu steht hier nicht die Diagnose der grundlegenden Verbundenheit von Beschleunigungsphänomenen mit Kapitalismus und Moderne zur Debatte, die sich einer Reihe von Problematisierungen (spät-)moderner Zeitformen anschließt, und die die ausgenommen breite Rezeption der Theorie Rosas auch in außerwissenschaftlichen Kreisen begründet. Vielmehr wird betrachtet, inwiefern seine Arbeit den Anspruch einlöst, „dass die moderne Soziologie […] ihren Ausgangspunkt in der Analyse und Wirkungsweise kapitalistischer Verhältnisse zu nehmen hat“ (Rosa 2009b, S. 94). Zum Erfolg der Beschleunigungstheorie Rosas trug ihre theoretische Offenheit bei. An sie knüpft zugleich einer der Hauptkritikpunkte an, da sie es zulasse, dass die Beschleunigungstheorie als liberale oder konservative „künstlerkritische Zeit 

1 Hervorhebung hier und folgend sowie nicht anders vermerkt so im Original.

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diagnose“ (Lessenich 2009, S. 240) rezipiert werde, weil sie „auf einem verkürzten, ja amputierten Kapitalismusverständnis“ beruhe und daher „die vermeintlich fundamentale Kapitalismuskritik […] in ein Unbehagen an der Beschleunigungskultur um[]schlagen“ (Dörre 2009, S. 185 ff.) kann – so die Jenaer Kollegen Rosas. Die Theorie Rosas – dies ist die These, die diese Arbeit begründen will – changiert zwischen kapitalismustheoretisch orientierter Kritik an beschleunigten Verhältnissen und einer Modernisierungskritik, die ihren Gegenstand in der Kultur der Spätmoderne findet. Diese Ambivalenz liegt darin begründet, wie Rosa verschiedene Theorietraditionen kombiniert und zu synthetisieren versucht – und dabei ihre Gegensätze ausblendet. Hauptbezugspunkte sind für ihn einerseits die kapitalismuskritische Linie „von Marx zu Horkheimer, Adorno und Marcuse, aber auch zu Vertretern wie Walter Benjamin oder Erich Fromm“ (Rosa 2012a, S. 269), von der Rosa nicht nur Schlüsselbegriffe wie den der Entfremdung, sondern auch grundlegende methodologische Annahmen übernimmt – z. B. das Postulat immanenter Kritik, deren Maßstäbe „der untersuchten Gesellschaft selbst“ entstammen und die er in den „Leidenserfahrungen der betroffenen Subjekte“ (Rosa 2009a, S. 28) findet. Andererseits basiert die Theorie zentral auf den Arbeiten Charles Taylors, über den Rosa promovierte und dessen „zeitgenössischen Begriff des Subjekts“ (Rosa 1998, S. 23) er für gelungen hält. Von Taylor übernimmt Rosa auch den Anspruch an die Soziologie, die „Frage nach dem guten Leben“ (Rosa 2009b, S. 87) in ihr Zentrum zu stellen und beantworten zu wollen – im Gegensatz zum Ansatz der frühen Kritischen Theorie, bei der das Falsche, „einmal bestimmt erkannt und präzisiert, bereits Index des Richtigen, Besseren ist“ (Adorno 1991, S. 19), das Gute also nur negativ bestimmt wird. Folgend wird Rosas Theorie hinsichtlich seiner Begriffe von Beschleunigung, Entfremdung und seinem Konzept der Nicht-Entfremdung – Resonanz – rekonstruiert, um aufzuzeigen, wie seine Theorie die beanspruchte Vereinbarkeit nicht herstellt und sein Anspruch, eine Kapitalismuskritik zu leisten, im Fortgang durch diese Begriffe zurücktritt. Statt diesen Anspruch einzulösen, leistet der Resonanzbegriff eine Kultur- und Modernekritik, die nicht auf die Überwindung des Kapitalismus, sondern auf die Integration von Resonanz in den Kapitalismus – und damit das anvisierte gute Leben – zielt.  



2 Beschleunigung Grundlage und Kern der Theorie Rosas ist die Diagnose moderner Gesellschaften als Beschleunigungsgesellschaften und damit der Modernisierungsprozesses als Beschleunigungsgeschichte.

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Dass Beschleunigung die grundlegende Logik der Modernisierung sei, sieht Rosa in der eminenten Bedeutung der Zeit für die soziale Wirklichkeit begründet. Zeitstrukturen bilden für ihn „den systematischen Verknüpfungspunkt für Akteurs- und Systemperspektiven“ (Rosa 2005, S. 25) und sind in die gesamte Sozialität eingelassen. Dennoch erscheine Zeit den Akteuren und häufig auch in der Soziologie als unwandelbare „simple Naturtatsache“ (Rosa 2009a, S. 44). Dagegen versteht Rosa Zeit als grundlegend sozial und historisch. Erst mit dem modernen „linearen, abstrakten, kommodifizierbaren Zeitbegriff“ (Rosa 2005, S. 63) kann Beschleunigung zum vorherrschenden Strukturprinzip werden, da erst hier quantifizierbare, gerichtete Entwicklungen in der Zeit denkbar werden. Beschleunigung ist eine solche quantifizierbare, gerichtete Entwicklung; Rosa beschreibt sie als „Mengenzunahme pro Zeiteinheit“, wobei als „Menge […] dabei der zurückgelegte Weg, die Anzahl der kommunizierten Zeichen, die produzierten Güter (Kategorie I), aber auch die Zahl der Arbeitsstellen pro Erwerbsleben oder die Intimpartnerwechsel pro Jahr (Kategorie II) und ebenso die Handlungsepisoden pro Zeiteinheit (Kategorie III) fungieren“ (Rosa 2005, S. 115). Beschleunigung strukturiert sich also in drei Dimensionen: technische Beschleunigung, Beschleunigung des sozialen Wandels und Beschleunigung des Lebenstempos. Diese drei, die sich wechselseitig stabilisieren und antreiben, bilden einen Kreislauf, dessen Reihenfolge arbiträr ist, der also von jeder Dimension aus angetrieben wird. Dieser Zirkel wird in der Moderne selbstantreibend, verfügt darüber hinaus aber je Dimension über einen externen Motor. Gegenläufige oder entziehende Prozesse der Entschleunigung oder Beharrung sind laut Rosa vorhanden, aber sekundär und randständig gegenüber der Logik der Beschleunigung. Die Motoren unterliegen im Verlauf der letzten Jahre verschiedenen Rekonzeptionen, die mit dem zu untersuchenden Changieren zwischen Kapitalismusund Modernekritik korrespondieren. In der Konzeption, wie sie Rosa 2005 in Beschleunigung entwirft, ist das „System der kapitalistischen Wirtschaft“ (Rosa 2005, S. 257) der Motor der technischen Beschleunigung. Mit technischer Beschleunigung fasst er die Steigerung der Produktions-, Distributions- und Konsumtionsgeschwindigkeiten und die zeitliche Optimierung organisatorischer Abläufe. Sie werden laut Rosa systematisch durch den „ökonomischen Imperativ“ (Rosa 2005, S. 172) des Kapitalismus beschleunigt, der auf steigende Umschlaggeschwindigkeit zielt. Er folgt hierbei Marx und bestimmt die „zeitökonomische Konkurrenzlogik“ (Rosa 2005, S. 268) als Hebel, mit dem der Beschleunigungszwang auf die einzelnen ökonomischen Akteure vermittelt wird. Diese erwirtschaften, solange sie überdurchschnittlich schnell produzieren, Extraprofite und so wird für sie „Arbeitszeit ganz unmittelbar [zu] eine[m] entscheidenden, d. h. wertbildenden Produktionsfaktor“ (Rosa 2005, S. 259). Diese beiden Aspekte – den Zusammenhang von Zeit als gesellschaftlich  

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durchschnittlicher Arbeitszeit mit der Produktion des gesellschaftlichen Reichtums und die „im Konkurrenzkampf überlebensnotwendige Erwirtschaftung von ‚Extra-Profiten‘“ (Rosa 2005, S. 260) durch Zeitersparnisse in der Produktion – folgert Rosa aus der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie. Darüber hinaus identifiziert er mit Marx das Kreditwesen als einen dritten Beschleuniger im Kapitalismus (vgl. Rosa 2005, S. 260, Marx 2010, S. 452). Diese „Kommodifizierung der Zeit“ (Rosa 2005, S. 258) bietet für Marx zwar den Ausgangspunkt, alle von Rosa identifizierten Formen der Beschleunigung zu erklären, ermangelt aber laut Rosa einer „‚Kulturlogik‘“ (Rosa 2005, S. 263) zur Erklärung subjektiver Wahrnehmungen und Handlungsmuster. Dementsprechend möchte Rosa „keineswegs behaupten [, dass] die genannten sozialen Institutionen und die in ihnen vermittelten Zeitorientierungen ausschließlich […] eine Folge und Nebenwirkung der kapitalistischen Organisation der Wirtschaft“ (Rosa 2005, S. 267) sind und führt für die andere beiden Dimensionen je einen weiteren Motor ein. Die zweite Dimension, die Beschleunigung des sozialen Wandels, bezeichnet den Wandel von „Praxisformen und Handlungsorientierungen einerseits und Assoziationsstrukturen und Beziehungsmuster andererseits“ (Rosa 2005, S. 129). Ihre Beschleunigung fasst Rosa als „Gegenwartsschrumpfung“, wobei Gegenwart der Zeitraum ist, innerhalb dessen „Erfahrungsraum und Erwartungshorizont unverändert“ (Rosa 2005, S. 131) bleiben. Mit dem Schrumpfen der Gegenwart wandeln sich Selbstverhältnis, soziale Bindungen und Kontingenzerfahrungen der Subjekte. Zeitdiagnostisch identifiziert Rosa den Umbruch von der klassischen Moderne, in der der Erwartungshorizont mit der Generationenfolge zusammenfiel, und an den Vorstellungen vom autonomen Selbst, personaler Identität, der Kernfamilie, der romantischen Liebe und eines lebenslangen Berufs geknüpft waren, hin zu einem intragenerationalen Erwartungshorizont. Ihm entspricht laut Rosa die „spätmoderne“ Subjektivitätsformen des „Spielers“ oder „Drifters“, „situative[] Identität“, „serielle[] Monogamie“ (Rosa 2005, S. 181, 369 ff.) und wechselnde Arbeitstätigkeiten. Den Motor des beschleunigten sozialen Wandels macht Rosa in der funktionalen Differenzierung moderner Gesellschaften aus, oder genauer, in der mit dieser Differenzierung einhergehenden steigenden Komplexität. Sie könne nur noch durch eine „Temporalisierung der Komplexität“ (Rosa 2005, S. 297), also der Verschiebung in die Zukunft, bearbeitet werden. So dynamisieren sich die gesellschaftlichen (Sub-)Systeme selbst, da die aufgeschobenen Möglichkeiten gewissermaßen eingeholt werden wollen. Die Dynamisierung erfordere ständig erneuerte Abstimmungsleistungen, die wiederum die Komplexität steigern, also weitere Ausdifferenzierung und Dynamisierung zur Folge haben. Die gesamte Gesellschaft werde so in eine „transformative[] Unruhe“ (Rosa 2005, S. 176) versetzt, in der Beschleunigung als Mittel der Komplexitätsbearbeitung selbst Komplexität erzeugt.  

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Dritte Dimension der Beschleunigung ist das beschleunigte Lebenstempo, das eine objektive und eine subjektive Seite habe. Die objektive Seite besteht laut Rosa aus messbaren Verkürzungen und Verdichtungen von Handlungsabläufen, die subjektive Seite aus „Empfindungen der Zeitnot, des Zeitdrucks und des stressförmigen Beschleunigungszwangs“ (Rosa 2005, S. 136). Beide Seiten verweisen auf die in der Moderne gestiegene Zahl von Optionen, die von den Subjekten auch in gesteigertem Maße realisiert werden wollen. Die Quelle dieses Realisierungsbedürfnisses und damit der Motor dieser Dimension ist laut Rosa die Säkularisierung. Da „Angst und Verheißung“ als kulturelle Korrelate der „fundamentalsten psychischen Motivationselemente“ „Lust und Schmerz“, anthropologisch und somit auch „zweifellos universell“ (Rosa 2005, S. 284) seien, setzt Rosa für seine Theorie die kulturelle Form der Verheißung zentral. Wurde sie vor der Moderne transzendent befriedigt, ersetzt im Zuge der Säkularisierung die „Verheißung des absoluten Reichtums“ die des Jenseits, da Geld als universeller „Kontingenzbewältiger an die Stelle Gottes tritt“ (Rosa 2005, S. 285). Absoluter Reichtum wäre die Möglichkeit, alle Optionen zu realisieren und damit das Äquivalent zum ewigen Leben – wäre nicht der Tod eine natürliche Schranke der Optionenrealisierung. Von ihm aus entfaltet sich der Beschleunigungsdruck, die Optionen in möglichst kurzer Zeit zu realisieren, um so im begrenzten Leben möglichst viele Optionen zu verwirklichen. Das Verhältnis der drei Motoren zueinander wird von Rosa nicht bestimmt, sie stehen in Beschleunigung ebenso unvermittelt nebeneinander wie die ihnen zugrundeliegenden Theorien, deren Widersprüche – etwa zwischen dem Verständnis der gesellschaftlichen Funktion der Wirtschaft bei Marx und Luhmann – ausgeblendet sind. Die Konzeption der drei Motoren rückt spätestens 2009 in Aufsätzen und Artikeln in den Hintergrund und wird durch den Konkurrenzdruck des Wettbewerbs ersetzt (vgl. Rosa 2009a, S. 46; Rosa 2009b, S. 94 ff.; Rosa 2012a, S. 324). Wettbewerb wird vom Motor der technischen Beschleunigung zum Prinzip aller Sozialsphären; funktionale Differenzierung ist nicht mehr eigenständiger Motor, sondern „entscheidendes Antriebsmoment für die Totalisierung der wettbewerbsförmigen Organisation dieser [d. h. aller, P.S.] Sozialsphären“ (Rosa 2012a, S. 327). Analog dazu spricht Rosa nun davon, dass der Kapitalismus selbst die Subjekte erfasst und sie umbildet oder gar „verleite[t]“ (Rosa 2012a, S. 89), also auch Motor der subjektiven Seite der Beschleunigung sei. Kapitalismus wird für Rosa somit zum bestimmenden Prinzip der Beschleunigung und damit der Moderne selbst. Die Beschleunigungstheorie wird zu einer Kapitalismuskritik – wobei die übrige Beschleunigungstheorie trotz dieser grundlegenden Änderung keine weiteren Korrekturen erfährt. Die fehlende Revision der gesamten Theorie beruht auf einer begrenzten theoretischen Bestimmung des Kapitalismus. Zwar finden sich Ansät 



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ze einer vertieften Auseinandersetzung mit Marx, diese wird aber nicht in das theoretische Gebäude der Beschleunigungstheorie integriert. In dem Aufsatz Schrankenloses Steigerungsspiel, der 2008 erschien, vertieft Rosa die Marx-Rezeption aus Beschleunigung und will zudem „die ‚Phasenwechsel‘ kapitalistischen Produzierens“ (Rosa 2008, S. 33) aus der Beschleunigungslogik heraus erklären. Grundlage bilden die schon benannten drei Aspekte kapitalistischer Beschleunigung, die sowohl Produktion, Distribution und Konsumtion beschleunigen (vgl. Rosa 2008, S. 36). Anhand ihrer deutet Rosa etwa das Verhältnis von Arbeit und Freizeit und die Veränderung der Grenzziehung zwischen ihnen als Produkt der beschleunigungstheoretisch gefassten Entwicklung von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, auf die er objektive wie subjektive Aspekte der Beschleunigung zurückführt. Entsprechend steht am Ende des Aufsatzes auch die Feststellung: „Eine kapitalistische Moderne ohne (ins Unabsehbare gesteigerte) Beschleunigungszwänge ist jedoch undenkbar. Soziale Entschleunigung ist nur um den Preis einer anti-kapitalistischen Revolution zu haben.“ (Rosa 2008, S. 50) An diese steigerungstheoretische Lesweise Marx’ schließt Rosa auf der 2011 in Berlin durchgeführten Konferenz ‚Re-Thinking Marx‘ auf Basis einer Auseinandersetzung mit dem Manifest der Kommunistischen Partei an. Er fokussiert Fragen des Klassenkampfes und interpretiert Marx’ Werk als „steigerungstheoretische Formationsanalyse, nach der die grenzen- und rastlose, sich stetig beschleunigende Formationsanalyse des Kapitals zum eigentlichen Subjekts der Geschichte wird“ (Rosa 2013b, S. 396), in der „[n]och die erfolgreichsten ‚Kapitalisten‘ […] letztlich nur als ‚Charaktermasken‘“ erscheinen und „den Prozessen der Entfremdung, Fetischisierung und Verdinglichung“ (Rosa 2013b, S. 404 f.) ebenfalls unterworfen sind. Auf dieser Grundlage argumentiert Rosa für eine entfremdungskritische Lesweise der Marxschen Kritik. In dem 2010 auf Englisch und 2013 in deutscher Übersetzung erschienenen Essay Beschleunigung und Entfremdung kommt es jedoch zu einer erneuten Umstellung der Motoren der Beschleunigung, die die Ambivalenz der Beschleunigungstheorie zwischen Kapitalismus- und Modernekritik am deutlichsten herausstellt. Die Zahl der Motoren wird auf zwei reduziert, von denen je einer mit der Kritischen Theorie und einer mit dem Kommunitarismus verknüpft wird. Die Beschleunigungstheorie versteht Rosa dabei in der Tradition von Marx, Adorno, Benjamin und Marcuse (vgl. Rosa 2013a, S. 8) und als deren alternative Fortführung gegenüber Habermas und Honneth, die er in je einem Kapitel des Essays kritisiert. Die drei Dimensionen der Beschleunigung bleiben erhalten, ebenso wie die Moderne eine „Beschleunigungsgesellschaft“ (Rosa 2013a, S. 33) bleibt. Ihnen werden aber nur noch zwei Motoren zugeordnet, die als sozialer bzw. kultureller Motor firmieren und nicht mehr an die Dimensionen gekoppelt sind: Wettbewerb einerseits,  

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Verheißung der Ewigkeit andererseits. Die funktionale Differenzierung gilt nicht mehr als Motor, sondern als ergänzende „interne Logik“ (Rosa 2013a, S. 41) der Beschleunigung. Wettbewerb wird dabei im schon entfalteten Verständnis als Mechanismus des Kapitalismus verstanden, in dem „die grundlegenden Prinzipien und Profitgesetze der kapitalistischen Ökonomie eine wesentliche Rolle“ (Rosa 2013a, S. 35) als Antriebsmomente der Beschleunigung annehmen. Andererseits wird entsprechend der ausgeführten Säkularisierungsthese „die Beschleunigung durch eine starke kulturelle Verheißung angetrieben“ (Rosa 2013a, S. 39). Während damit der soziale Motor direkt mit der Kritischen Theorie und zumindest in einem oberflächlichem Bezug mit ihrem Kapitalismusbegriff verknüpft ist, führt Rosa beim kulturellen Motor Taylor zunächst in einer Fußnote (vgl. Rosa 2013a, S. 39) und später explizit als notwendige Ergänzung zur Kritischen Theorie ein. Genau diese Ambivalenz zwischen Kritischer Theorie und Kommunitarismus, die hier explizit vorliegt, durchzieht schon die Beschleunigungskonzeption von 2005 und insbesondere ihren Entfremdungsbegriff, der ihr kritisches Kernstück ist. Sie wird von Rosa schließlich in seinen Überlegungen zu nicht-entfremdeten Verhältnissen in Richtung der Modernekritik aufgelöst und verliert dabei ihren kapitalismuskritischen Stachel.

3 Entfremdung Kritisch wird die Beschleunigungstheorie erst durch die inhärente Verknüpfung von Beschleunigung und Entfremdung. Durch die Beschleunigung wird in der Spätmoderne Zeit „qualitätslos“ (Rosa 2005, S. 264). Da das „Zeitbewusstsein als sozialer Habitus und gleichsam ‚zweite Natur‘ unhintergehbarer Bestandteil der Persönlichkeitsstruktur“ (Rosa 2005, S. 28) sei, wirkt sich diese Dequalifizierung auch negativ auf die „Art und Weise, in der Subjekte ‚in die Welt gestellt‘ sind“ (Rosa 2005, S. 170) aus; Subjektivität als Ganze wird zunehmend krisenhaft. Diese Krisenhaftigkeit fasst Rosa unter dem Begriff der Entfremdung. Er verweist auf die Schwierigkeiten des Begriffes hinsichtlich des Essentialismus und Paternalismus (vgl. Rosa 2009b, S. 120), verwendet den Begriff aber dennoch und erhebt den Anspruch, ein nicht-essentialistisches Verständnis von Entfremdung zu haben, das zugleich eine Perspektive auf ein gutes Leben ermöglicht. Rosas Entfremdungsbegriff baut dabei zum einen auf Jaeggi auf, indem er Entfremdung als „Zustand definiert […], in welchem Subjekte Ziele verfolgen oder Praktiken ausüben, die ihnen einerseits nicht von anderen Akteuren oder äußeren Faktoren aufgezwungen wurden […] welche sie aber andererseits nicht ‚wirklich‘ wollen oder unterstützen“ (Rosa 2011, S. 234, vgl. Jaeggi 2005, S. 63–70). Zum anderen

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knüpft Rosa an den Marx der Pariser Manuskripte an, indem er Entfremdung mehrdimensional analysiert. Rosa restrukturiert dabei diese Dimensionen der Entfremdung. An die Stelle der Entfremdung von der Arbeit tritt die vom eigenen Handeln, an die Stelle der Produkte die Dingwelt und an die Stelle der Entfremdung von der Natur die Entfremdung von Raum und Zeit als zwei Dimensionen. Die letzten beiden Dimensionen, soziale Beziehungen und Selbstbezug, werden zusammengefasst. Aus dieser Umstellung ergibt sich eine weitere Differenz zum Marx der Pariser Manuskripte: Während Marx seine Entfremdungsdimensionen aus dem Arbeitsprozess und damit aufeinander aufbauend entwickelt, stehen die Dimensionen bei Rosa zunächst unvermittelt nebeneinander. Sie werden schlicht als die zentralen Dimensionen menschlicher Existenz bestimmt. Ihr Bezug zueinander wird nachträglich hergestellt, indem Rosa konstatiert, dass alle diese fünf bzw. sechs Dimensionen gleichermaßen durch die Beschleunigung unter Druck geraten. „[D]ie ‚Weltbeziehungen‘ der Subjekte als solche“ (Rosa 2011, S. 235) werden problematisch, da laut Rosa in allen Dimensionen zunehmende Entkoppelungen des Subjekts von seiner Umwelt stattfinden. „Raum und Zeit werden […] ‚entbettet‘“ (Rosa 2011, S. 236), die „Aneignung und Anverwandlung“ (Rosa 2013a, S. 127) der Dinge, aber auch der sozialen Beziehungen und des Selbst scheitern, Zeit und Biographie können nicht mehr in „narrativen Mustern“ (Rosa 2005, S. 35) kohärent verknüpft werden (vgl. auch Rosa 1998, S. 71). Ursache hierfür ist laut Rosa zentral die „De-Kontextualisierung von Erlebnissen“ (Rosa 2005, S. 341). Sie verhindert, dass aus den Erlebnissen narrativ integrierte, zueinander und zu sich selbst in Beziehung gesetzte Erfahrungen werden. Entfremdung ist also die Folge des Verlusts der „Transformation von Erlebnissen in genuine Erfahrung im Sinne Benjamins“ (Rosa 2005, S. 470). Die Beschleunigung, so Rosa, führt in der Spätmoderne zunehmend zu fragmentierten Zeitstrukturen, in denen sich technische und organisatorische Bedingungen und die soziale Welt zu schnell wandeln, als dass Erlebnisse vom Subjekt durchdrungen, als Erfahrung anverwandelt und in die identitätsstiftende Narration integriert werden können. An die Stelle der stabilen Identität, deren Narration die Normalbiographie ist, tritt eine „transitorische“, „situativ[e]“ (Rosa 2005, S. 364, 370) Identität, die bloße Wandlungsfähigkeit an die Stelle der Narration setzt. Das Subjekt ist entfremdet, da es keine Bezüge zu seiner Umwelt und seinen Mitmenschen herstellen und nur auf äußere Anforderungen reagieren kann. Der Entfremdungsbegriff steht über die Konzeption von Erfahrung durchaus in der Tradition der Kritischen Theorie. Rosa entnimmt den Begriff der Philosophie Walter Benjamins, für die er zentral ist. Schon dessen Frühwerk kreist um den Erfahrungsbegriff, er wird schon dort als Verbindung von Erleben und Geist (vgl. Benjamin 1991a, S. 46), also als mentale Repräsentation des Erlebnisses verstanden. Der Gegensatz von Erlebnis und Erfahrung, den Rosa übernimmt,

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bleibt für Benjamin konstitutiv (vgl. Ahmadi 2001, S. 202), „auch wenn [Benjamin, P.S.] die beiden Begriffe nirgends definitorisch verdichtet hat“ (Makropoulos 1998, S. 72). Spätestens ab Erfahrung und Armut verknüpft Benjamin den Verlust von Erfahrung mit der Moderne (vgl. Benjamin 1991b, S. 214 f.), die er wiederum mit der Verallgemeinerung der Warenproduktion identifiziert. Er wird schon hier als Folge von Beschleunigung diagnostiziert, ist also „genuin verbunden mit Zeit“ (Fürnkäs 1998, S. 84; vgl. Benjamin 1991c, S. 610, 613–616), die sich durch technische Neuerungen und die kapitalistische Fabrikarbeit verändert. Gegen die aus ihr resultierenden schockhaften Erlebnisse entwickelt das moderne Individuum einen Reizschutz, der ihm Erfahrungen tendenziell verunmöglicht. Die Begriffe der Erfahrung und des Erfahrungsverlustes werden von Theodor W. Adorno übernommen und fanden vermittelt durch ihn breiteren Eingang in die kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus. Für Adorno zerfällt ebenfalls von „den Arbeitsprozessen her […] überhaupt der Begriff von Erfahrung“ (Adorno 2003a, S. 575) und wird „durchs Gesetz des Immergleichen“ (Adorno 2003b, S. 51), also das Identitätsprinzip des Warentausches, vernichtet. Gleichzeitig modifiziert Adorno den Erfahrungsbegriff Benjamins. Adornos Erfahrungsbegriff ist um „Schmerz und alle Negativität“ (Adorno 2003b, S. 202) angereichert. Erfahrung verschwindet also nicht, sondern existiert „als unterdrückte und beschädigte“ (Adorno 2003b, S. 312) weiter, wird verdrängt und kehrt als Leid der Subjekte wieder. Damit wird für Adorno „Möglichkeit der Erfahrung […] zum Index der Nichtidentität von Individuum und Gesellschaft“ (Kirchhoff 2004, S. 87), also gleichzeitig Möglichkeitsbedingung und Fluchtpunkt der Kritik. Adornos Erfahrungsbegriff changiert dabei zwischen zwei Varianten. Zum einen fasst er Erfahrung als Ausdruck einer „unmittelbar erfahrbaren Welt, die nicht erst begriffen werden müsste“ (Kirchhoff 2004, S. 88), zum anderen als reflektierte Erfahrung, in der das Erlebnis als „das Nichtgegenwärtige lauert“ (Adorno 2003d, S. 115). Er schwankt also zwischen einem von Benjamin übernommenen latent lebensphilosophischen Erfahrungsbegriff, und einem an Hegel orientierten Begriff der Erfahrung. Bei diesem ist Erfahrung als „dialektische Bewegung, welche das Bewußtsein an ihm selbst“ (Hegel 1986, S. 78) macht, also als Reflexionsprozess bestimmt, setzt ein reflexionsfähiges Subjekt voraus und ist damit eine dezidiert moderne Erfahrung. Von dieser Begriffsgeschichte und Mehrschichtigkeit findet sich bei Rosa nichts. Sein Erfahrungsbegriff bleibt assoziativ und unsystematisch, die Erfahrungsfähigkeit der Subjekte ist anthropologisch und voraussetzungslos vorhanden, sofern sie nicht in der (Spät-)Moderne durch die Beschleunigung tendenziell verunmöglicht wird. Diese Trennung des Erfahrungsbegriffs von seiner Geschichte löst ihn auch von seinem konstitutiven Bezug zu kapitalistischer Vergesellschaftung, der bei  

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Benjamin und Adorno über den Bezug auf den erfahrungsvernichtenden Arbeitsprozess und das erfahrungsnegierende Tauschprinzip aufrechterhalten wird. Dies öffnet Rosas Erfahrungsbegriff zur Entfremdungstheorie Taylors, die Rosa sich im Zuge seiner Dissertation erschlossen hat und in der er schon die „ungeheuren und technischen Akzelerationsprozesse der Gegenwart“ findet, die dazu führen, dass Orte und Institutionen „identitätslos“ werden und somit ein „entfremdetes Leben“ (Rosa 1998, S. 206 f.) bedingen. Taylors Theorie bildet also für Rosas beschleunigungs- wie entfremdungstheoretische Arbeiten den Unterstrom, der spätestens mit dem Resonanzkonzept wieder zutage tritt. Für Taylor liegt Entfremdung dabei in der „Verkümmerung der je eigenen Identität“ (Rosa 1998, S. 208), die eine Folge der Modernisierung sei. Für Identität, und damit für ein nicht-entfremdetes Selbst, ist laut Taylor – und Rosa – eine stabile Narration des Selbst als „Orientierung [im] moralischen und kognitiven Raum“ (Rosa 1998, S. 114) zentral, Entfremdung wird als Narrations- und Orientierungsverlust verstanden. Ziel dieser Narration ist das „Erreichen eines Equilibriums“ (Rosa 1998, S. 125) zwischen starken und schwachen Wertungen und damit zwischen dem „‚Wesen‘ eines Menschen und seiner Interpretation der zweiten Ebene, d. h. seinem reflexiven Selbstbild“ (Rosa 1998, S. 197), einen Zustand, den Taylor Authentizität nennt. Anders als bei Adorno, der Erfahrung als Reflexion der Nichtidentität zwischen Subjekt und Erlebtem bestimmt und damit eine Kritik sowohl des praktischen Identitätszwangs im Kapitalismus wie der Identitätsapologie der bürgerlichen Philosophie formuliert, wird also die „mit sich selbst übereinstimmende[] (individuelle[] oder kollektive[]) Identität“ (Rosa 1998, S. 198) angestrebt. Sie ist, so Taylor, vom Übergewicht des naturalistischen Denkens, das er mit dem Marktmodell identifiziert, gegenüber dem „romantischen Expressivismus“ (Rosa 1998, S. 355) bedroht – und erst die Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen beidem ermöglicht Authentizität. Entsprechend dazu diagnostiziert Rosa in der Spätmoderne, in der die Beschleunigung das Übergewicht des Naturalismus durchsetzt, das tendenzielle Ende der Idee der Authentizität und als Fluchtpunkt die spätmoderne Subjektivität der Drifter und Spieler, die beide „auf die Suche nach Authentizität oder Eigentlichkeit“ (Rosa 2005, S. 382) verzichten. Von hier aus ist auch zu erklären, wieso für Rosa, anders als für Benjamin oder Adorno, Entfremdung ein Phänomen der Spätmoderne und nicht der Moderne ist. Erst mit der Spätmoderne übersteigt „die in der Moderne angelegte Beschleunigung der sozialen Verhältnisse einen kritischen Punkt,“ so „dass die Linearität und Bearbeitung von Problemen und Veränderungen aufgebrochen und der Anspruch auf Integration“ (Rosa 2005, S. 349) und damit auf eine auf Dauer gestellte, stabile Identität insgesamt aufgegeben wird. Diese Analyse der Entfremdung in der Spätmoderne steht im Widerspruch zu Rosas eigener Kapitalismusbestimmung. An die Stelle einer „‚Abrichtung‘ der  



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Subjekte“ (Rosa 2009b, S. 94) durch den Kapitalismus, dessen „systemischen Zwang“ zur Beschleunigung „unaufhebbares Merkmal einer jeden kapitalistischen Ökonomie“ (Rosa 2009b, S. 99 f.) ist, tritt die Vorstellung eines Gleichgewichts zwischen kapitalistischer Ökonomie und authentischen Lebensvollzügen, als die die fordistische Moderne mit ihrer „orientierungsstiftenden Kraft der Normalbiographie“ (Rosa 2005, S. 366) idealisiert wird. Die Beschleunigungstheorie soll also keine Kapitalismuskritik mehr sein, die Beschleunigung und Entfremdung als „Ausdruck eines inhärenten, strukturell unüberwindbaren Systemfehlers“ (Dörre u. a. 2009b, S. 300) versteht, wie es die Jenaer kritische Soziologie als Anspruch formulierte, sondern eine Kritik des Ausgreifens ökonomischer Logik auf die Lebensvollzüge, das mit der Verinnerweltlichung der Verheißung begründet wird. Diese letztendlich kulturell fundierte Modernisierungskritik findet ihren Niederschlag dann auch in Rosas Verständnis der Nicht-Entfremdung, in der die Ambivalenz seiner Beschleunigungstheorie einseitig aufgelöst wird, wie folgend und abschließend gezeigt wird.  



4 Resonanz

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In Beschleunigung ist Rosas Antwort auf die beschleunigungsbedingte Entfremdung noch ambivalent und korrespondiert mit dem hier dargelegten Changieren zwischen Kapitalismus- und Modernekritik. Einerseits geht er davon aus, dass „Entschleunigungsinseln“ geschaffen werden können, also Räume, in denen die spätmodernen Subjekte sich zeitweise dem Beschleunigungsdruck entziehen können, und fordert ihre staatlich geschützte Einrichtung (vgl. Rosa 2005, S. 143, S. 149 Fn., S. 252). Diese Perspektive korrespondiert mit der Idee, dass Beschleunigung erst dort zu Entfremdung führt, wo ihre Logik dominant wird. Andererseits seien solche Schutzräume selbst von der Beschleunigung bedroht und wirken bloß aufschiebend, ohne sie abschaffen zu können (vgl. Rosa 2005, S. 253). Daher fordert Rosa eine „(zeit)kulturelle[] oder (zeit)strukturelle ‚Revolution‘“ (Rosa 2005, S. 409). Für eine solche fundamental kritische Perspektive sieht Rosa in der Praxis aber keine Hoffnung, da bisher „nur die Taliban“, wie Rosa (2009c) in der tageszeitung äußerte, eine entsprechende Zeitpolitik programmatisch entwickelt haben.

2 Dieser Abschnitt kann nur Andeutungen zu einer Kritik der Resonanz liefern, da dieser Begriff bei Rosa bisher noch vage gehalten ist, und erst in „einer noch zu schreibenden ‚Soziologie des guten Lebens‘“ (Rosa 2005, S. 67) entfaltet werden wird.

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Zur Lösung dieses Dilemmas setzte Rosa im Anschluss an seine Beschleunigungstheorie an, „ein neues Konzept von Lebensqualität“ (Rosa 2009c), das auf einer Idee des guten Lebens beruhe, zu entwickeln. Zentraler Begriff dieses Lebensqualitätskonzepts, den Rosa wiederum bei Taylor findet, ist „Resonanz“ (Rosa 2013a, S. 142). Resonanz ist laut Rosa eine Beziehung, in der die Welt „als ein antwortendes, atmendes, tragendes, in manchen Momenten sogar wohlwollendes, entgegenkommendes oder ‚gütiges‘ ‚Resonanzsystem‘ erscheint“ (Rosa 2012a, S. 9). Entsprechend zu dieser Vorstellung formuliert Rosa seinen Entfremdungsbegriff um. Entfremdung ist nun „Responsivitätsverlust durch Beschleunigung“ (Rosa 2009a, S. 53), da anstelle der Beziehungen, die auf Anverwandlung und Narration beruhen, „stumme[], nicht-resonierende[]“ „instrumentelle[] Beziehungen“ (Rosa 2012a, S. 416) treten, die der kalten Rationalität des Naturalismus in der Moderne entsprechen. Resonanz ist damit ein authentischer, also auch identitätsstabilisierender, Bezug zu sich und der Welt. Dementsprechend finden sich bei Rosas Beschreibungen der Resonanz auch Begriffe der Anverwandlung und Aneignung, des Zu-eigen-Machens und der Heimat (vgl. Rosa 2012a, S. 306). Resonanzerfahrungen finden sich in der Religion, der Natur und der Kunst (vgl. Rosa 2012a, S. 10; Rosa 2013, S. 147), insbesondere in der Musik, aber auch in intersubjektiven und gesellschaftlichen Anerkennungsverhältnissen, in Kollektiverfahrungen (vgl. Rosa 2012b, S. 415), in der Sphäre (demokratischer) Politik (vgl. Rosa 2012a, S. 358) und sogar in der Lohnarbeit (vgl. Rosa 2012b, S. 417). Statt dem revolutionären „Griff zur Notbremse“ (Rosa 2005, S. 488), wie er 2005 noch am Ende der Beschleunigungsdiagnose angedacht wurde, scheint Rosa den Ausweg nunmehr also in der Stärkung vorhandener Resonanzen gegen die Dominanz der Beschleunigung zu sehen. Eine Konzeption, die der Strategie der Stärkung des romantischen Expressivismus gegen den Naturalismus bei Taylor entspricht und dabei nicht mehr mit der Kritischen Theorie und ihrer Kapitalismuskritik vereinbar ist. Dies zeigt sich exemplarisch am Konzept der Resonanz in der Lohnarbeit. Für Rosa bilden sich in der Lohnarbeit „Resonanzen […] tendenziell überall dort heraus, wo die Arbeitenden sich in ihrer Tätigkeit ‚wiedererkennen‘ und damit ‚bei sich selbst‘ oder ‚zu Hause‘ fühlen, also etwa: im Umgang mit ihren Werkzeugen, in der Beziehung zu den Kollegen, an ihrem Arbeitsplatz, im Prozess des Arbeitens selbst und/oder bei der Realisierung der Arbeitsziele“ (Rosa 2012b, S. 417). Diese Resonanz war schon der frühen Kritischen Theorie bekannt, bildete für sie jedoch einen Gegenstand der Kritik. Sie ist es, so Herbert Marcuse, die „den in der mechanisierten Versklavung eingetretenen Wandel aus[drückt]: die Dinge schwingen mehr, als daß sie unterdrücken, und sie schwingen das menschliche Instrument – nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Geist und sogar seine Seele“ (Marcuse 2008, S. 47). Diese Resonanz zwischen Mensch und kapitalisti-

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scher Maschinerie analysiert Marcuse jedoch anders als Rosa als entfremdend. Die affektive Aufladung kapitalistischer Produktion als Vereinigung von Lust und Arbeit hat eine libidinöse Besetzung der verdinglichten Objekte und Tätigkeiten zur Folge: „Das Sexuelle wird in die Arbeitsbeziehung und die Werbetätigkeit eingegliedert und so (kontrollierter) Befriedigung zugänglich gemacht“, „sie verschafft den manipulierten Individuen auch einen Genuß, ganz wie es Spaß macht, im Motorboot davonzurasen“ (Marcuse 2008, S. 94). Das Resonanzerleben selbst, dass die Befriedigung der vom kulturindustriellen Kapitalismus produzierten Bedürfnisse schafft, war Zentralmoment der Entfremdungskritik der Kritische Theorie. Das „Vertrauen auf die Bedürfnisse der Menschen“ trug „nicht mehr, seitdem die Bedürfnisse von der falschen Gesellschaft integriert worden sind und zu falschen gemacht. Wohl finden die Bedürfnisse […] abermals ihre Befriedigung, aber diese ist ihrerseits falsch und betrügt die Menschen um ihr Menschenrecht.“ (Adorno 2003c, S. 34 f.) Diese Kritik der Formierung der Bedürfnisse durch den Kapitalismus nimmt Rosa nicht auf und kann so etwa Burn-out als Folge fehlender Resonanz innerhalb der Arbeit deuten (vgl. Rosa 2012b, S. 419), anstatt als Folge der Resonanz in entfremdeter Arbeit, der libidinösen Besetzung entfremdeter Arbeit, das Marcuse diagnostiziert. Dementsprechend sind für Rosa Resonanzmöglichkeit und Kapitalismus versöhnt, und die Ambivalenz der Kritik einseitig hin zur (Spät-)Modernekritik aufgelöst – um den Preis, dass das Resonanzempfinden per se schon das Gute ist und das vermittelte Leid durch Resonanz etwa in der Lohnarbeit unsichtbar bleiben muss. Rosa selbst sieht sein Resonanzkonzept dennoch in der Tradition der Kritischen Theorie und versucht es mit Adornos Verständnis des mimetischen Vermögens von Kunst zusammenzubringen, das er als Vorläufer seines Resonanzkonzepts versteht. Kunst wird darin zu einer „Form[], die die Responsivität der Welt sicherzustellen versucht“ (Rosa 2013, S. 147). Dabei verkennt er die schon in Benjamins Begriff der Mimesis enthaltene historische Entwicklung derselben hin zu unsinnlicher, also vermittelter Ähnlichkeit (vgl. Benjamin 1991d, S. 206 f.), die bei Adorno für die moderne Kunst und ihre Mimesis dazu führt, dass ihre „Unmittelbarkeit […] einzig noch eine zum universal Vermittelten“ (Adorno 2003c, S. 325) ist. Als solche provoziert Mimesis in entfremdeten Verhältnissen nicht unmittelbar das, was Rosa Resonanz nennt, sondern ist mimetischer Ausdruck des Leides (vgl. Adorno 2003c, S. 169, 202). Sie ist als „Mimesis ans Verhärtete und Entfremdete“ der Verhältnisse selbst „negativ reflektierende Identifikation mit der realen Negativität des gesellschaftlichen Zustands“ (Adorno 2003c, S. 38 f.). Entsprechend finden sich an der Stelle, an der bei Rosa Eichendorff (vgl. Rosa 2013, S. 147 f. Fn.) oder Pink Floyd stehen bei Adorno Beckett und Schönberg und folgerichtig verknüpft Adorno Mimesis nicht mit Resonanz, sondern mit Dissonanz (vgl. bspw. Adorno 2003c, S. 168). Innerhalb des Kapitalismus ist sie nicht  







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bloß deswegen prekär, weil sie immer wieder bedroht wird, sondern die innere Spannung zur Rationalität ist für sie konstitutiv und unhintergehbar (vgl. Adorno 2003c, S. 87), weil sie die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht transzendieren kann, sondern Statthalter dieser Transzendierung ist und diese einklagt. Nicht die Aufhebung der Entfremdung ist die Möglichkeit der Kunst, sondern die Erfahrbarkeit der Entfremdung. Sie versöhnt nicht mit den herrschenden Verhältnissen, wie es Rosas Resonanzkonzeption anzielt, sondern legt die Unversöhnlichkeit der kapitalistischen Verhältnisse offen.

5 Fazit Rosas theoretische Fassung von Beschleunigung, Entfremdung und Resonanz lösen also seinen eigenen Anspruch, von einem kritischen Verständnis des Kapitalismus aus eine Soziologie des guten Lebens zu entfalten, nicht ein. Dies liegt, und da ist seinen Jenaer Kollegen zuzustimmen, an einem oberflächlichen Verständnis des Kapitalismus, der zum einen tendenziell auf den Wettbewerbszwang reduziert wird, zum anderen aber Kapitalismus statt als Form der Vergesellschaftung auf die „kapitalistische[] Organisation der Wirtschaft“ (Rosa 2005, S. 267), also auf eine Produktionsweise, reduziert. Entsprechend dazu findet sich in der Auseinandersetzung mit Marx bei Rosa auch kein Bezug zum Fetischcharakter von Ware, Geld und Kapital. Eine Vereinbarkeit von Rosas Beschleunigungsdiagnose mit der Kritik der politischen Ökonomie, wie sie Marx entfaltet, und mit einer Kritischen Theorie, die an sie anknüpft, wäre zwar noch herstellbar, diese Vereinbarkeit wird bei Rosas Verständnis von Entfremdung jedoch zweifelhaft. Sein Resonanzbegriff, soweit er bisher entfaltet ist, schöpft nicht mehr aus einer Analyse des Kapitalismus; er zielt stattdessen auf einen versöhnten Kapitalismus. An die Stelle der Kritik der grundlegenden Formen der Vergesellschaftung tritt, wie am Beispiel der Lohnarbeit gezeigt wurde, eine oberflächliche Kritik, die in eine Affirmation des Kapitalismus – sofern er nur Resonanzen zulasse – umschlägt. Kritik, wie sie Rosa entfaltet, hat ihren Gegenstand nicht mehr im Kapitalismus, sondern in der spätmodernen Kultur, in der der Naturalismus dominant sei.

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