Die frühchristliche Basilika im Heraion von Samos und ihre Ausstattung, Athenische Mitteilungen 109, 1994, 301-335

June 29, 2017 | Author: Stephan Westphalen | Category: Byzantine Studies, Byzantine Architecture, Byzantine Archaeology, Samos
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DIE FRUHCHRISTLICHE BASILIKA IM HERAIOI{ VON SAMOS UND IHRE AUSSTATTUNG (Mit Tafeln 7 4 - 82, Bellagen 7 - 10, 6 Abbildungen)

Die Christianisierung des paganen Heiligtums ist der letzte Schritt in der langen Entwicklung des Heraions von Samos gewesen. Von diesem Vorgang ist außer der frühchristlichen Basilika kein weiteres monumentales Zeugnis erhalten geblieben. Nur an der Basilika kann man noch ungefähr ermessen, welche Veränderungen im Heraion mit der Christianisierung verbunden waren. Daruber hinaus spiegelt ihre Architektur und Ausstattung erv/as von den vielfältigen Beziehungen wider, die während der frühchristlichen Epoche zwischen den Provinzen und der Hauptstadt Konstantinopel bestanden. Schon bei den ersten Kampagnen, die 7902/03 im Auftrag der Athener Archäologischen Gesellschaft im Heraion durchgeführt wurden, stieß man auf die Reste der truhchristlichen Basilika (Taf. 74, 1). Im Jahr 1910 wurden die Grabungen im Auftrag der Berliner Museen von T. Wiegand übernommen und nach Freilegung des großen Tempels nach Osten auf das Gelände des Tempelvorplatzes ausgedehnt. Dabei wurde die Basilika vollkommen freigelegtl. Die Ergebnisse der Grabungen wurden bereits in den zwanziger und dreißigerJahren von A.M. Schneider2 und H. Schleif3 veröffentlicht. Seitdem hatte es keine weiteren Untersuchungen an der Basilika gegeben.

Tafel- und Abbildungsnachweis: Taf. 74, 1: Inst.Neg. Athen, Samos 61. - Taf. 74, 2: H. Kienast. - Taf. 76,7; Inst.Neg. Athen, Samos 441. - Taf 77,7: Inst.Neg. Athen, Samos 442. - Beil. 7-9: S. Rachl. - Abb. 3: flach einer Vorlage von Th. Schulz. - Alle anderen Photographien und Zeichnungen vom Verf. 1 T. tViegand, Erster vorläufiger Bericht über die von den königlichen Museen unternommenen Ausgrabungen in Samos, Abhandlungen der Preussischen Akademie der'§Tissenschaften (1911) 5 f . - M. Schede, Zweiter vorläufiger Bericht über die von den Berliner Staatlichen Museen unternommenen Ausgrabungen auf Samos, Abhandlungen der Preussischen Akademie der'§Tissenschaften (1929) 75 t. 2 A. M. Schneider, ANI 54, 7929, 1,21-126. 3 H. Schleif, AM 58, 1933,243-247.

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Erst im Rahmen einer Aufarbeitungskampagne wurde im Somm

er 7992eine Bauaufnahme der Basilika durchgefrrhrta. Gleichzeitig konnte auch die kleine Sammlung der liturgischen Ausstattungsstücke erstmals vollständig bearbeitet werden. Die Ergebnisse dieser Arbeiten ergänzen die älteren Darstellungen in einigen wesentlichen Punkten Durch die seit den dreißigerJahren erzielten Grabungsergebnisse im samischen Heraion sind einige neue Aspekte zu dem Verhältnis zwischen der Basilika und der römischen Bebauung des ehemaligen Tempelvorplatzes nachzuffagen Ferner lassen sich an der Ruine zwei Bauphasen unterscheiden, die teilweise rekonstruiert werden können. Und schließlich läßt sich das Bauwerk durch Vergleiche mit dem in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichten Material präziser in die fnihchristliche Architekturgeschichte einordnen und datieren. Die Ergebnisse der Bauuntersuchung ermöglichen Rückschlüsse für die Auswertung der liturgischen Ausstattungsstücke. Daniber hinaus ist an den §Terkstücken das Verhältnis von regionalen §Terkstätten zur prokounesischen Exportwate zu untersuchen. BAUPLATZ

Als Bauplatz für die Basilika wurde der ehemalige Tempelvorplatz im Zentrum des Heraions ausgewählt. Der Platz ist von dem spätarchaischen Heratempel im'§7'esten und dem gegenüberliegenden großen Altar begrenzt. In römischer Zeit wurde der Platz weitgehend überbaut. Zwischen §fleihgeschenkbasen und Pfeilermonumenten, die locker über das ganze Gelände verteilt waren, sind drei kleinere Tempel errichtet worden. Lediglich die verbleibende Fläche zwischen den Tempeln und dem großen Altar wurde als kleiner Platz belassen und mit einem'römischen Pflaster' bedeckt5. Die unmittelbare Umgebung des Platzes war mit verschiedenen Vohn- und Gewerbegebäuden bebaut. Die Häuser gehörten zu einer Siedlung, die während des 2. Jhs. innerhalb des Temenos entstanden war. Nach einer Zerstörung im 3. Jh. ist die Siedlung in bescheidenerem Umfang wieder aufgenommen worden.

4 S. Rachl zeichnete den Steinplan im Maßstab 7 :25 und serzte ihn in Tusche um. Für die Umzeichnung stellte T. Schulz großzügig ihre Pläne vom 'korinthischen Tempel' und vom 'römischen Naiskos' zur Verfiigung; der 'römische Peripteros' wurde aus der Vorlage von Schleif a. O. Beil. 60 übernommen. O. Feld in Freiburg betreute meine Magisterarbeit,Bauskulptur und liturgische Ausstattungsstücke aus frühchristlichen Kirchen auf Samos. (1990), in dei ich mich ein erstes Mal mit der Basilika im Heraion beschäftigte. Allen genannten personen bin ich zu Dank verpflichtet, besonders aber Dr. H. Kienast, der alle Arbeiten anregte, organisierte und großzügig untersttitzte. 5 Schleif a. O. 229 datiert das Pflaster ins 2-/3.Jh. n. Chr.

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Über ihren Zustand im 5. Jh., z:ur Bauzeit der Basilika, ist wenig bekannt. Nur ein großes Peristylhaus am 'Nordtor' ist ins 5.Jh. zt datieren6. '§(zeitere Gebäude waren aber sicherlich bewohnt. Denn der Neubau der Kirche wird von einer größeren Gemeinde in der Siedlung getragen worden sein7. Die Heilige Straße, die, von Osten kommend, an der Nordseite des Tempelvorplatzes endete, wurde beim Ausbau der Siedlung zum ersten Mal mit einem Pflaster befe-

stigts. Sie blieb die Hauptverbindung im Heraion, in die von Norden und Süden verschiedene Seitenstraßen mündeten. Eine von ihnen verlief unmittelbar westlich des großen Altars. Der Platz rm Zentrum des Heraions war durch die §Teihgeschenke, Tempel, Straßen und Häuser so eingeschränkt, daß für die Basilika ältere Gebäude abgerissen oder umgebaut werden mußten (Beil. 7).Drei römische Gebäude wurden in veränderter Form dem Kirchenbau angeschlossen. Der 'römische Peripteros', das größte von ihnen, liegt südlich der Basilika9. Seine annähernd quadratische Ringhalle mit sechs Säulen auf den Langseiten steht auf einem Pflaster aus dicken Marmorplatten. In seinem nördlichen Umgang wurde das südliche Seitenschiff der Basilika eingerichtet. Die Säulen wurden in der Basilika wiederverwendet. Nordwestlich vom Peripteros steht der 'korinthische Tempel'10. Über seinen Ostteil kam der nördliche Abschnitt vom Narthex der

6 E. Homann-'§(redeking, AA 80, 7965, 445 Abb. 14 f . - Ders., ADelt 20, 7965, Chron 500 f. Ders., AA 81, L966,162 Abb. 7 5.1,64. Durch Keramikfunde ist ein Datum nach 400 gesichert. §tederverwendete Bauteile vom großen Altar, die wahrscheinlich erst während des Kirchenbaus entnommen werden konnten, rücken das Peristylhaus zeitlich in unmittelbare Nähe der Basilika. 7 Der Zusammenhang zwischen Basilika und Siedlung wurde bisher nicht untersucht. Eine eigene Atbqt wäre es, die umfangreichen Reste der Siedlung chronologisch zu ordnen und gesctrlossen darzustellen. Einen Überblick über die Siedlung im östlichen Temenosbereich bietet eine Luftaufnahme von 7974 in Neue Deutsche Ausgrabungen im Mittelmeergebiet und im vorderen Orient, hrsg. vom Deutschen Archäologischen Institut (795» 199 Abb.2. - Über die

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kaiserzeitliche Siedlung vgl. U. Sinn in: Diskussionen zur archäologischen Bauforschung III (1978) 188-193. - H. Kyrieleis, Führer durch das Heraion von Samos (1981) 52 f . Abb. 36. 9U92. - E. Buschor, Gnomon 1926, 123. - Ders., Gnomon 7927,189 f. - Über Siedlungsreste im nördlichen Temenosbereich ders., AA52,7937,2].&1227 Abb.12. -Über die kleine Therme westlich der Basilika Schleif a. O. 242 f. - Ein Peristylhaus und weitere spätantike Gebäude südlich des Altarvorplatzes nennt Schede a. O. L4Abb. 11. - Schleif a. O.238 f. Beil. 67. - Zwei 'V/alter, AA 7958,72-83. säantike Srufenbrunnen in: AM72,1957,Taf . 5.8 Beil. 94,1. - H. Lber eine frihbyzantinische Zisterne nördlich des Temenos H. P. Isler, ANl84, L969,202-230 T^f - 82-98. - Zu Häusem des 3. Jhs. im Bereich des 'Nordbaus' H. Kyrieleis, AA 1.978,253 f . Abb. 2. 4.5. - Über die Siedlung entlang der Heiligen Straße im östlichen Temenosbereich H. Kienast - H. Kyrieleis, AA L985,399404. 43U47. 8 H. Kienast, AA7985,399. 9 Sctrleif a. O.278 ff .239 ff. - Kyrieleis, Führer a. O.82 ff. Nr. 5. lO Schleif a. O.299 ff. - Kyrieleis, Führer a. O. 101 f. Nr. 15.

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Basilika zu liegen. Dabei wurden seine Säulenvorhalle und ein Teil des massiven Podiums abgetragen. Schließlich wurde noch der 'Pfeilersaal' im Südwesten durch den Narthex an die Basilika angeschlossenll. Es ist schwierig, den Zustand der drei Gebäude bei Baubeginn der Basilika zu beurteilen. '§Tahrscheinlich standen sie noch weitgehend aufrecht, denn ihre Fluchten waren für die Planung der Basilika maßgeblich. '§rie lange die Gebäude dann noch standen, kann nicht geklärt werden. Es ist möglich, daß der 'Pfeilersaal ' und die Cellae des 'korinthischen Tempels' und 'römischen Peripteros' als Nebenräume für die Basilika weiterhin genutzt wurden. Vom Bau der Basilika waren weitere Monumente im Heraion betroffen. Kein Stein wurde für das Mauerwerk neu gebrochen. Die Baumeister beschafften sich ihr Material direkt aus dem reichen Bestand der umliegenden Gebäude. Selbst in der geringen erhaltenen Bausubstanz der Basilika lassen sich neben anonymen Spolien die Architekturteile von acht paganenMonumenten identifizieren. Die Säulen wurden, wie bereits erwähnt, vom 'römischen peripteros' übernommen12. Vereinzelte Spolien stammen vom 'korLrthischen TemPel'14. Der 'römische Naiskos', ein kleiner Antentempel im Bereich des Mittelschiffs der Basilika, wurde bis auf seinen Toichobat komplett abgetragen (Beil. 7); seine'§Tandquader wurden in der nördlichen Außenmauer wiederverwendetl4. Veiter befinden sich in der nördlichen Außenmauer die Teile eines hellenistischen Pfeilermonuments 15 und das Stück einer Treppenwange, die vom 'Tempel E' nördlich der Heiligen Straße herangebracht wurde16. Als Fundamente für die nördliche Säulenreihe dienten die Quader eines weiteren hellenistischen Pfeilermonuments 17. Vom großen Altar waren Teile im Mauerwerk der Apsis 18 und Platten aus feuerfestem grünen Serpentinit im

11 Schleif a. O. 247 f 72 Zwei Trommeln stehen in der nördlichen .

Säulenreihe in situ.Im Fußbodenpflaster waren zwei Kapitelle verlegt (Schleif a. O.222); das Bruchstück eines weiteren Kapitells ist in einem zvgesetzten Durchgang in der Narthexwestmauer verbaut. 13 Es handelt sich um einen Stufenblock in der nördlichen Außenmauer (Architekturinventar Nr. 1090) und zwei Säulenbasen vor dem Nordportal des Narthex (Architekturinventar Nr. 288 und 289). 14 Architekturinvenrar Nr. 7066, 7067, 7070-1076, 7o1z,10gG10gg , L4z3-1.425. T. Schulz, Koldewey Gesellschaft, Bericht über die 36. Tagung fur Ausgrabungswissenschaft und Bau_ forschung vom 23. bis 27 . Mai 1990 in Kronach (799L) 30. 15 Architekturinvenrar Nr. 1078-1081. M. Tiede, AM 105, 7gg0, Zl5 ff. pfeiler A. 16 Architekturinventar Nr. 499.Vom 'Tempel E,stammen ebenfalls mehrere Stufenblöcke, die sich im Fußbodenpflaster befinden (Architekturinventar Nr. 1577-1581). 17 Tiede a. O.223 ff. Pfeiler B. 18 Schede a. O. (s. Anm. 7) 15 f . - Schleif a. O. (s. Anm. , tg4. L90.

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Fußboden des Mittelschiffs verbaut 1e. Schließlich befindet sich im Fußboden der Apsis noch ein dorischer Architrav aus hellenistischer Zeitzl. §Tahrscheinlich standen der 'römische Naiskos' und die beiden hellenistischen Pfeilermonumente noch aufrecht, bis sie für den Bau der Basilika auseinandergenommen und geschlossen in ihrem sekundären Verband versetzt wurden. Auch der Altar scheint noch weitgehend erhalten gewesen zu sein, da seine oberen Bauteile zuerst im tiefliegenden Mauerwerk der Basilika verwendet wurden. Über den Zustand der anderen Gebäude können keine Angaben gemacht werden. Vielleicht waren sie schon vor Baubeginn der Basilika ruinös gewesen. Jedenfalls wurde durch die Basilika das Zentrtm des Heraions tiefgreifend

verändert. Es entstand ein geschlossener Gebäudekomplex, indem bisher locker gruppierte Bauten wie der 'römische Peripteros', der 'korinthische Tempel' und der 'Pfeilersaal' durch das Kirchengebäude miteinander verbunden wurden. Der 'römische Naiskos' und die zwei Pfeilermonumente wurden dagegen vollständig abgerissen und zusaffrrnen mit vereinzelt herumliegenden Architekturteilen als Baumaterial in der Basilika wiederverwendet. Über die Grunde der Standortwahl lassen sich nur Vermutungen anstellen. Die Siedlung innerhalb des Temenos überdauerte das Verbot der paganen Kulte. Spätestens am Ende des 4. Jhs. war die Christianisierung der Bevölkerung weit fortgeschritten2l. Die Siedlung brauchte eine Gemeindekirche. Als Standort bot sich der ehemalige Tempelvorplatz an, der nach der Schließung der paganen Heiligtümer als Zentrum verwaiste. Hier konnte eine Kirche als neuer Mittelpunkt der Siedlung entstehen. Allerdings ist nach der Aufgabe der Tempel um 400 bis zu dem Bau der Basilika, der auf keinen Fall vor 450 erfolgte, viel Zeit verstrichen. Es ist daher nicht auszuschließen, daß vor der Basilika ein anderes Gebäude im Heraion als Versammlungsort der Gemeinde diente, auch-wenn es mit archäologischen Mitteln nicht nachgewiesen werden kannz2. Auf jeden Fall hatten sich aber erst nach 450 genügend Kräfte gesammelt, um den Bau der Basilika und die Neuordnung des Heraions in Angriff zu nehmen.

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Schleif a. O. (s. Anm. , 796. K. Müller, Hellenistische Architekrurglieder im Heraion von Samos, AM 109, 7994,195 ff . Ein samischer Bischof ist fur dasJahr 390 erstmals bezeugt. Schneider a. O. (s. Anm. 2)

22 Schulz a. O. (s. Anm. 74) 27-3l entdeckte am 'römischen Naiskos' die Spuren einer Umorientierung, die sie mit dem Umbau des Naiskos in eine kleine Kirche erklärte. Für eine christliche Nutzung des Naiskos fuhrte sie auch ein Kreuz an, das an der Außenmauer eingeritzt gewesen war. Dagegen ist eine Apsis, die den sicheren Nachweis für die Nutzung des Naiskos als Kapelle liefern würde, nicht gefunden worden. Vor allem aber das kleine Format scheint mir fur eine Kirche ungeeignet zu sein.

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ARCHITEKTUR

Im folgenden werden lediglich die Teile behandelt, die beim Bau der Basilika neu errichtet worden sind und zum Kern des eigentlichen Kirchengebäudes gehören. Das sind das dreischiffige Langhaus, die Apsis und der Narthex (Beil. 7 - S Taf. 74, 2).Der Erhaltungszustand der Ruine ist schlecht. So sind die Mauern und Säulenreihen weitgehend bis auf ihre Fundamente ausgeraubt, auf der Südseite fehlen sie völlig. Vom Fußboden sind immerhin kleine Flächen des Pflasters erhalten geblieben. Um aus der geringen Substanz ein Bild von der Baugeschichte der Basilika zu gewinnen, werden die Mauerzüge und Säulenreihen einzeln auf ihre unterschiedlichen Merkmale hin untersucht. Die nördliche Außenmauer des Langhauses (L 20,30 m) ist zusarunen mit der Ostmauer und der Apsis in einem Zug gebaut. Im'W'esten stößt sie gegen den 'korinthischen Tempel', irfi Osten endet sie im Ausbruch der Apsis. Das Fundament ist durchgehend erhalten. Im östlichen Bereich schneidei es das 'römische Pflaster', das den kleinen Platz zwischen den römischen Tempeln und dem großen Altar bedeckte. Für den Fundamentgraben sind Platten des 'römischen Pflasters' entfernt oder durchgeschlagen worden. Die Fundamentoberkante (+ 254) liegt auf einer Höhe mit dem 'römischen Pflaster'. Die aufgehenden Teile der Nordmauer bilden den am besten erhaltenen Mauerabschnitt der ganzen Basilika. Auch wenn in der Höhe kaum mehr als zwei Steine übereinander stehengeblieben sind, kann man nur hier einen ungefähren Eindruck vom Charakter des Mauerwerks gewinnen (Stärke 0,85 m; maximale H 1,80 m über der Fundamentoberkante). Für die zwei Mauerschalen sind ausschließlich große Marmorspolien verwendet worden, die verschiedenen Bauwerken oder Monumenten entnommen worden sind. Die Spolien unterscheiden sich daher im Format, und es gibt weder durchgehende Lagen noch entsprechen sich die beiden Schalen in ihrem Aufbau. Dennoch ist es den Maurern gelungen, die Spolien sorgfältig mit dichten Fugen und ohne Lücken zu versetzen. tediglich vereinzelte Beschädigungen am Material sind durch Ziegel- oder Marmorbruch geflickt. Eine der Spolien in der Innenschale verdient besondere Beachtung. Es handelt sich um einen Vandquader, der vom 'römischen Naiskos' übernommen wurde. Auf seiner Oberfläche ist ein Clipeus eingerltzt, der ein Kreuz zwischen den apokalyptischen Buchstaben Alpha und Omega umgibt. Das Zeichen steht allerdings auf dem Kopf. Mit Sicherheit also befand sich die Ritzung bereits auf dem Quader, bevor er in seinem sekundären Verband in der Basilika versetzt worden ist. Es handelt sich um ein 'Sühnezeichen', das auf der Außenmauer des Naiskos

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angebracht gewesen war, um die Dämonen nach ihrer Austreibung vom aufgelassenen Naiskos fernzuhaltenz3 . Von der südlichen Außenmauer des Langhauses ist nichts erhalten geblieben. Ihr Verlauf ist aber sicher zu rekonstruieren. Denn wenn man die Basilika im Grundriß symmetrisch ergänzt, kommt ihre Südmauer über den Fundamenten der nördlichen Cellamauer des 'römischen Peripteros' zu liegen (Beil. 9). Man kann also annehmen, daß die erhaltenen Teile der Cellamauer

in die südliche Außenmauer der Basilika übernommen worden sind. Über den Aufbau der Cellamauer weiß man wenig; auf jeden Fall wird es sich um regelmäßiges Quadermauerwerk gehandelt haben, das sich von den neu errichteten Spolienmauern unterschied. Da der Naos der Basilika Iänger war als die Cella des Peripteros, muß die Cellamauer in ihrer Flucht nach Osten

und '§Testen verlängert worden sein. Von den beiden Säulenreihen, die das Langhaus in drei Schiffe teilten, sind die umfangreicheren Reste wieder auf der Nordseite zu finden (Taf 75, 2). Der Befund ist etwas komplizierter, da Fundamente für zwei Säulenstellungen zu unterscheiden sind. Unterhalb einer Reihe von einzelnen Blöcken, die zuerst ins Auge fäIIt, befindet sich ein durchgehendes Streifenfundament (B 0,78 m; Oberkante + 243). Es schneidet im östlichen Bereich das'römische Pflaster' und endet unter der östlichen Säule; im'§7'esten stößt es gegen eine §7eihgeschenkbasis, diq vor der Ostkante des 'korinthischen Tempels' liegt (Beil. 7). Obwohl das Funäament nicht ganzbis an die Querwande des ränghauses durchgezogen ist, läßt es sich sinnvoll nur auf die Basillkabeziehen. §7ie die nördliche Außenmauer ist es nachträglich in das 'römische Pflaster' eingesetzt worden. Das Fundament ist um einen Stylobat zu ergänzen, der ungefähr auf einer Höhe mit dem'römischen Pflaster'gelegen hat (Beil. 1O, L). Erst nachträglich sind auf das Streifenfundament einzelne Marmorblöcke gesetzt worden. Von ihnen stehen die ersten sechs in situ (Achsabstände 2,53 bis 2,59 m. Oberkante zwischen + 295 und + 310), ein siebenter im'W'esten ist zu ergänzen Die Längsachse der Blöcke verläuft etwas weiter südlich als die des Streifenfundaments (der Abstand nvischen den beiden Achsen beträgt 0,33 m). So stehen die Blöcke nur mit ihrem nördlichen Teil auf dem Streifenfundament. Für ihren südlichen Teil ist an jedem Block eine separate Unterftitterung vorhanden. Deutlich ist der Befund im westlichen Bereich zu erkennen (Taf. 75, L ). Da der siebente Block von Osten ausgeraubt ist, kann man sehen wie die Unterfütterung nachträglich von Süden an das Streifenfundament angefügt wurde. Die Blöcke dienten den Säulen als Einzelfundamente und waren ursprünglich nicht sichtbar, da sie unterhalb des Fußbodens im

23

Ebenda 30 Abb. 5.

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Mittelschiff lagen. Von der zweiten und dritten Säule stehen die unteren Trommeln in situ (Achsabstand 2,53 m; Interkolumnium L,76 m). Es sind Teile der säulenschäfte vom 'römischen Peripteros' (Dm 0,78 und 0,76 m). An der Aufstellung ist ein bautechnisches Detail ztbeachten: Ein flaches Bleiblatt ist als Ausgleichsschicht zwischen die Schäfte und die Fundamenre gelegt. Durch die zwei Fundamente können an der nördlichen Säulenreihe zwei Phasen unterschieden werden. '§7ährend der älteren Phase standen die Säulen auf einem Stylobat, der auf einer Höhe mit dem 'römischen Pflaster' lag. Während der zweiten Phase wurden sieben Säulen durch die ernzelnen Blöcke auf ein höheres Niveau gestellt. Eine entsprechende Aufstellung ist bei der südlichen Säulenreihe zu erwarten. Tatsächlich ist sie von den Ausgräbern auch vorgefunden worden; nur ist sie inzwischen bis auf geringe Spuren weitgehend verschwunden. Doch die Fundsituation ist durch eine alte Aufnahme dokumentiert (Taf. 76, L). euf dem Umgangspflaster des 'römischen Periptero s' (+ 256) liegen in einer Reihe sechs Basen. Es handelt sich um Spirae, die zu den Säulen des 'römischen Peripteros' gehörten. Sie liegen aber nicht auf ihren ursprünglichen Fundamenten, sondern sind in engeren Abständen dicht an die Kante des Umgangspflasters verschoben. Diese Aufstellung entspricht den einzelnen Blöcken der nördlichen Säulenreihe und kann daher der jüngeren Phase der Basilika zugerechnet werden24. In Analogie zum Befund der Nordseite ist auch für die südliche Säulenreihe während der ersten Phase eine andere Aufstellung anz:tnehmen. Es ist zu überlegen, ob dafur die Säulenstellung des 'römischen Peripteros' in Frage gekoqnmen sein könnte. Vermutlich standen bei Baubeginn der Basilika die Säulen des 'römischen Peripteros'noch aufrecht oder lagen in Sturzlage neben ihren Fundamenten. Für die Baumeister muß es daher naheliegend gewesen sein, die Säulenstellung des Peripteros für die Basilika wieder zu fiutzen. Es gibt tatsächlich zwei Hinweise, daß sie zumindest die Abmessungen des peripteros bei der Einteilung des Langhauses zu Grunde gelegt hatten. Ztmeinen wird in der zeichnerischen Rekonstruktion (Beil.9) deutlich, daß sich fünf Säulen in der weiten Aufstellung des Peripteros regelmäßig in die Außenmauem der Basilika einftigen (Achsenabstände 3,64 m; Interkolumnien 2,88 m). Zum anderen gibt es eine Entsprechung zwischen der Breite des Umgangs des Peripteros (3,20 m) und der des nördlichen Seitenschiffs während der ersten Phase (3,25 m). Sie ist nur damit zu erklären, daß das Maß durch den 24 Die Spirae sind im

Zuge einer rekonstruierenden Aufstellung - wohl in den 30erJahauf die Fundamente der Peristase zurückverlegt worden. Von der Säulenreihe der Basilika sind lediglich eine Standspur der sechsten Säule und amorphe Mörtelreste im Bereich der ersten, zweiten und funften Säulenachse erhalten geblieben. ren

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Peripteros vorgegeben war und auf das nördliche Seitenschiff übertragen worden ist. Damit lassen sich die Säulenreihen der beiden Phasen noch deutlicher unter-

scheiden. '§üährend der ersten Phase haben lediglich fünf Säulenpaare auf dem Niveau des römischen Tempelvorplatzes gestanden. Durch einen Umbau wurden die Säulenachsen etwas zur Mitte hin verschoben; das Niveau wurde angehoben und die Zahl der Säulen durch Verengung der Joche auf sieben Paare erhöht. Zu den Säulenreihen der jüngeren Phase gehört ein Fundament der BemaSchranke. In den zwei östlichen Interkolumnien der Nordreihe sind Quader verlegt, die bündig mit den Oberkanten der Säulenfundamente abschließen. In der Achse der zweiten Säule verläuft das Fundament quer durch das Mittelschiff. Der südliche Teil ist ausgeraubt. Zum Befund der Bema-Schranke gehören die Einlaßrillen in der Trommel der zweiten Säule, die dem Fundament entsprechend nach Osten und Süden zeigenz5. Die Reste der Apsis wurden von den Ausgräbern weitgehend abgetragen, um vermauerte Architekturteile vom großen Altar zurückzugewinnen26. So ist lediglich der nördliche Ansatz erhalten geblieben. Die gerade Außenseite gehörte zu einem dreiseitigen Polygon, das die innen halbrunde Apsis ufirrnantelte. Die ehemalige Ausdehnung der Apsis ist noch am 'römischen Pflaster' zu erkennen, von dem sich Platten im Bereich der Mittelachse erhalten haben; sie sind für den Fundamentgraben der Basilika unregelmäßig abgearbeitet worden und markieren als Negativform den Scheitel des Apsisrunds. Zwei rechtwinklig versetzte Quader sind in die Apsisöffnung eingezogen. Es handelt sich um Reste vom Unterbau für das Synthronon, das als Sockel entlang der Apsisrundung verlief. Die'§fand zwischen Langhaus und Narthex stand im nördlichen Abschnitt direkt auf der Ostkante vom Podium des 'korinthischen Tempels'. Nach Süden war sie über die Flucht des Langhauses hinausgefühn. Es ist nicht mehr feststellbar, wie weit sich der Mauerzug nach Süden fortsetzte, da die Fundamente im südlichen Abschnitt ausgeraubt sind. Vom aufgehenden Mauerwerk ist ein kleiner Teil des Gußkerns stehengeblieben. Die Mauerstärke ist mit 0,60 m zu rekonstruieren. Ansonsten hat sich lediglich Fundamentmauerwerk erhalten. Auch hier lassen sich zwei Phasen unterscheiden. An einer horizontalen Naht ist ein älteres, tief liegendes Fundament zu erkennen (Oberkante + 256).In einer jüngeren Bauphase ist es einfach durch die oberen Fundamentlagen aufgestockt worden (Oberkante + 295).Zu dieser jüngeren Phase 25 Eine Säulentrommel, die entsprechende Rillen in der Längsrichtung aufweist, wurde auf dem ersten Fundament wieder aufgestellt. 25 Schede a. O. (s. Anm. 1) 15 f.

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gehört das Fundament einer §Tandvorlage im Narthex, das in der Flucht der südlichen Säulenreihe liegt. Eine entsprechende Vorlage wurde im Fundament der gegenüberliegenden Narthexwesfwand vorbereitet. Die westliche Außenmauer des Narthex stand auf einem Fundament, das den 'korinthischen Tempel' und den 'Pfeilersaal' miteinander verbindet (L l4,O m). rX/ieder sind am Mauerwerk mehrere Phasen zu unterscheiden (Taf 76, 2). Auf einem tiefgelegenen Fundament, das unregelmäßig nach 'Westen vorspringt (Oberkante + 256), steht die untere lage einer Mauer mit gerade gesetzten Außenkanren (Stärke 0,62 m). Es handelt sich hier bereits um aufgehen_ des Mauerwerk. Als Material wurden kleinteilige oder zerbrochene Marmorspolien verwendet. Zu dieser Mauer gehört ein Durchgang (L 1,05 m), der in den Südteil des Narthex führte; er wurde in einer Zwischenphase zugesetzt. '§7ährend einer jüngeren Phase wurde dann auf die Abbruchkante der älteren Mauer ein höhergelegenes Fundament gesetzt und zusätzlich die Mauer verstärkt. Dazu wurde eine Bruchsteinschale von Osten vorgeblendet; sie wird von größeren Steinen abgedeckt, die über die Abbruchkante der älteren Mauer greifen. Daruber liegt eine Reihe größerer Spolienblöcke, die als obere Fundamentlage die tlnebenheiten ausgleicht. Zu dieser Lage gehört der Schwellstein eines Portals in der Mittelachse der Basilika (+ 33D27 . yom aufgehenden Mauerwerk aus der jüngeren Phase ist nichts erhalten. Doch kann durch die Tiefe der Türschwelle die Mauerstärke mit 0,60 m rekonstruiert werden. vom Fußboden waren große Flächen erhalten geblieben (Taf. 77, 1). sie sind bis auf kleine Reste im Südteil des Narthex und im Mittelschiff entfernt worden. Als Pflaster dienten große Marmorspolien, die auf einem aufgeschütteten Gemisch aus Erde und Bauschuff versetzt worden snd(Taf. 77, 2). Auffällig sind die Niveauunterschiede zwischen dem Narthex und den Schiffen im Langhaus. Das Niveau fällt vom §Testportal (+ 33» um eine Stufe zum Narthex (+ 302) und steigt dann um eine Stufe ztmMitrelschiff (+ 327). Die Fußböden in den Seitenschiffen, die heute restlos verschwunden sind, lagen eine Stufe tiefer als das Mittelschiff (+ 296)28. Das Niveau des pflasters ist auf die hohen Fundamente der jüngeren phase bezogen (Beit. 10, 1-2). Komplizierter ist der Befund im Bema. Das Pflaster liegt, was ungewöhnlich ist, eine Stufe tiefer als im restlichen Mimelschiff (+ 294). Anscheinend ist hier während der jüngeren Phase das Niveau nicht angehoben worden.

27 Zu sehen sind die Pfa4nenlager einer doppelflügeligen Tür, die sich nach innen öffnete, ein Riegelloch, das in der Achse nach Norden verschoben ist, und Schleifspuren des Südflügels, die datatf hinweisen, daß der nördliche Türflügel in der Regel geschlossen blieb (lichte B zwischen den Pfannenlagern 1,15 m; B des Südflügels 0,65 m). 28 Schleif ,. O. (r. Anm. D 244 f . Betlage 62.

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Denn während der älteren Phase muß der Boden tiefer gelegen haben. Von ihm sind im Narthex und im Mittelschiff keine Reste erhalten geblieben. Es gibt aber genügend Anhaltspunkte, das Niveav zu rekonstruieren. So mußte da.s Pflaster im Miuelschiff die Abbruchkante des 'römischen Naiskos' bedecken. Vahrscheinlich lag das Bodenniveau in den Seitenschiffen auch während der älteren Phase eine Stufe tiefer als im Mittelschiff. Dann könnten im nördlichen Seitenschiff das 'römische Pflaster' und im südlichen das Umgangspflaster des Peripteros (+ 256) übernommen worden sein(Beil. 1"0, 2). Dafnr spricht auch die Fundamentoberkante der nördlichen Außenmarter, die auf einer Höhe mit dem 'römischen Pflaster' abschließt. Das Umgangspflaster des Peripteros ist im westlichen Teil geflickt und bis an die Wesrwand des Langhauses erweitert worden (Beil. 7), eine Maßnahme, die im Zttsammenhang mit dem Boden im südlichen Seitenschiff stehen könnte. Im Narthex wird der Boden ebenfalls auf einer Höhe mit den Fundamenten der älteren Phase gelegen haben (Beil. 10, 2). Erwähnenswert ist ein weiterer Bodenbelag, der sich im Bereich der Apsis erhalten hat (Beil. 8, 2).Über den großen Marmorspolien liegen auf einer dünnen Schicht aus Schotter und Estrich grune Schieferplatten (+ a09). V'egen des andersartigen Materials ist dieser Boden keiner der zwei bisher beobachteten Phasen zuzuschreiben. §Tahrscheinlich gehort er zü einer späten Phase, während der vielleicht der Boden lediglich im Bema erneuert worden

ist.

Durch die Bauuntersuchung konnte an mehreren Stellen nachgewiesen werden, daß ältere Bauteile auf einem tieferen Niveau liegen und nachtraglich ein Teil der Fundamente erhöht worden ist. Es ist naheliegend, alle tiefgelegenen Teile der Basilika derselben Bauphas e zuztrechnen und die Veränderungen gemeinsam als das Resultat eines Umbaus während einer zweiten Phase zu behandeln. Zur äIteren Phase gehören demnach die Außenmauern im Norden und Osten einschließlich der Apsis sowie die tiefgelegenen Teile der westlichen Quermauern und der nördlichen Säulenreihe. Ausgangspunkt für die Planung der ersten Basilika wat die ältere Bebauung auf dem ehemaligen Tempelvorplatz. Die Fundamente der einzelnen Bauteile liegen im Niveau zwischen dem'römischen Pflaster'(+ 244) und dem Umgang des Peripteros (+ 256). Fast alle Baufluchten sind an der älteren Bebauung ausgerichtet. Die Außenmauern im Norden und Süden fluchten mit den Cellamauern des 'korinthischen Tempels' und des 'römischen Peripteros'. Die Ausdehnung des Langhauses nach'W'esten wurde durch das Podium des 'korinthischen Tempels' begrenzt, und die Außenmauer des Narthex verläuft in der Flucht des 'Pfeilersaals'. Bei der Einteilung des Innenraums wurden die Maße vom [Jmgang

312

SrnpHeN

'W'nstpnerrN

des Peripteros für das südliche Seitenschiff übernommen und symmetrisch auf das nördliche Seitenschiff übertragen. Damit haben die Baumeister der Basilika die vorhandenen Gebäude geschickt ausgenutzt. Nur durch wenige Materzüge konnten sie die lockere Bebauung zu einem neuen Gebäude verbinden. Dabei ist dennoch ein regelmäßiger und gut proportionierter Innenraum entstanden (L t9,45 m; B L6,20 m). Das breire Mittelschiff (B 9,75 m, gleich dreifache B der Seitenschiffe) öffnet sich in eine große Apsis (B ca. 7,0 m). Die schmalen Seitenschiffe (3,20 bzw. 3,25 m) sind durch die weiten Interkolumnien (2,88 m) zwischen den firnf Säulenpaaren an den Hauptraum angeschlossen. Die Säulen mit ihren dorischen Kapitellen sind als einheitlicher Satz vom 'römischen Peripteros' übernommen worden29. Der Boden im Mittelschiff, der die Reste des 'römischen Naiskos' bedeckte, lag vermutlich eine Stufe höher als die Böden in den Seitenschiffen und lief ohne Absatz bis in die Apsis durch. Der Narthex (B 4,26 m) steht in seinem nördlichen Abschnitt auf dem podium des 'korinthischen Tempels'. Obwohl das Podium für den Bau der Basilika zum Teil abgetragen wurde, lag es noch ungefähr 0,40 m höher als die neu gebauten Teile (Abbruchkante des Podiums + 298; Fundamentoberkante der Narthexmauer + 256). Man muß also von Norden nach Süden über Stufen auf das tiefe Niveau des Langhauses gelangt sein. Das Hauptportal befand sich auf dem Podium in der nördlichen Schmalseite, wo die Heilige Straße an der Basilika vorbeiführte. Erhalten ist von dem Portal nichts. Lediglich aus den Berichten der Ausgräber erftihrt man, daß es durch einen Säulenvorbau besonders hervorgehoben war30. Der einzige erhaltene Durchgang fiihrte von'W'esten in den Südteil des Narthex. Mit seiner schmalen Abmessung (L 1,06 m) kann er nur als Nebenpforte gedient haben. In der Mittelachse ist kein Portal vorhanden gewesen. Die Narthexmauern setzen sich über die Flucht des Langhauses nach Süden fort. Die 'W'estmauer stößt bündig an den 'Pfeilersa aI' , der so in den neuen Komplex mit einbezogenwurde. Hier öffnete sich der Narthex in einen weiteren Raum, dessen Ausdehnung nach Süden nicht mehr zuklärenist. In diesem Raum zwischen Peripteros und 'Pfeilersaal' sollen sich die Reste eines Baptisteriums befunden haben, von denen im aktuellen Zustand nichts zu sehen ist31.

29 Abblldung eines der dorischen Kapitelle bei schleif a. o. (s. Anm. 3) Abb. 6 c. 30 Schleif a. O. (s. Anm. ) 233 Abb. 77. 19. Die zwei Basen des Säulenvorbaus waren in

situ gefunden worden; es handelte sich um wiederverwendete Basen des 'korinthischen Tempels'.

37

Schneider a. O. (s. Anm. 2) 725.

Dre rnüscHRrsrlrcHE Besrura na Hene.roN voN Seuos

3r3

Der zvveiten Bauphase muß eine Zerstörung der ersten Basilika vorausgeSangen sein. Ihr Ausmaß ist ungefähr abzuschätzen. So sind von der ersten Rasilika der gesamte Narthex und die'§(ände des Mittelschiffs bis in den Fundamentbereich abgetragen worden. Die Außenmauern im Norden und Osten einschließlich der Apsis waren von dieser Maßnahme nicht betroffen. Offensichtlich konnten die Außenmauern zumindest in den unteren Lagen intakt frr die zweite Basilika übernommen werden. Bei dem'§7'iederaufbau hielt m2n sich weitgehend an den vorgegebenen Grundriß. Auf die alten Fundamente der beiden westlichen Mauern wurden direkt die neuen aufgestockt. Die Hauptmaße vom Langhaus und Narthex blieben damit unverändert. Ztt einer Abweichung kam es bei den '§7änden des Mittelschiffs. Die Säulenreihen wurden etwas dichter zur Mittelachse aufgestellt und die Zahl der Säulen von ftinf auf sieben erhöht. Dadurch waren die Proportionen verändert. Das Mittelschiff wurde schmaler (B 8,90 m) und die Seitenschiffe entspredrend breiter (B 3,58 bzw. 3,72 m). Durch die engere Säulenstellung (Interkolumnien L,75 m) wurden die Seitenschiffe stärker vom Hauptraum getrennt als bisher. Für die neue Aufstellung wurden vier weitere Säulen benötigt. Vermutlich hatte man sie wieder dem 'römischen Peripteros' entnommen, um die einheitliche dorische Ordnung beizubehalten. Der Narthex erhielt ein Portal in der Mittelachse und'§?'andvorlagen in der Flucht der Säulenreihen, die für die ältere Phase nicht nachzuweisen sind. Neben diesen vermutlich ästhetisch begnindeten Veränderungen hatte der Umbau ein durchgehendes konstruktives Ziel. Das gesamte Niveau der Innenräume ist angehoben worden. Die neuen Fundamente wurden höher angelegt als die alten (die Differenz schwankt zmrischen 0,44 m und 0,84 m), und die Innenräume erhielten auf einer Aufschütnrng einen neuen Bodenbelag. Im Langhaus wurde der Boden auf unterschiedlichen Niveaus verlegt. Das Mittelschiff war gegenüber den Seitenrhiffen um eine Stufe erhöht. Ungewöhnlich ist die Situation im Bema. Der Boden liegt wie in den Seitenschiffen eine Stufe tiefer als im restlichen Mittelschiff32. '§7'ahrscheinlich handelt es sich im Bema um den Boden aus der älteren Basilika. Vermutlich hat man die alte Bodenhöhe beibehalten, um die vorgegebenen Proportionen der Apsis, die ebenfalls aus der älteren Phase stammt, nicht durch ein höheres Niveau zu verändern.

32 Schneider a. O. (s. Anm. 2) tZZ f. versuchte mit Hilfe eines Schrankensockels das Bodenniveau im Bema gegenüber dem Pflaster des Minelschiffs um 0,10 m höher zu rekonstruieren. Ihm sind die Bodenplatten unter der kleinen Apsis und eine weitere Bodenplatte südlich des Schrankenstylobats entgangen. Das Niveau im Bema und in der Apsis war tatsächlich 0,26 m tiefer als das des jüngeren Mittelschiffs.

314

StrpHaN

'§7'rstpHersN

Grunde für das Anheben des Niveaus waren außerhalb der Basilika zu finden. Bei Beginn der Ausgrabungen war westlich und nördlich des Narthex noch ein Straßenpflaster vorhanden, das in seinem Niveau (zwische n + 324 und + 34433) dem des Mittelportals aus der jüngeren Phase entsprach(+ 33D. Dagegen führte der südliche Durchgang, der zur ersten Phase gehört, noch auf dem tiefen Niveau des römischen Tempelvorplatzes auf das Gelände westlich vor der Basilika (+ 256).Anscheinend hatte sich das gesamte Niveau der näheren Umgebung nach dem Bau der ersten Basilika verändert. Diesem hohen Niveau konnte die Basilika beim'§Tiederaufbau angeglichen werden. Der zeitliche Abstand zwischen den beiden Bauphasen ist aus dem Befund nicht ersichtlich. Er ist jedoch nicht zu groß afizusetzen, da sich bis zum Bau der zweiten Basilika die Anspruche der Gemeinde afl ihre Kirche weder in Bezug auf den Raumbedarf noch auf den Bautyp geändert hatten. Die weitere Baugeschichte der Basilika ist aus dem Bericht von Schneider bekannt. Zunächst wurde der Kirchenkomplex noch um eine Raumflucht an der Nordseite erweitert, bei der es sich um ein Xenodocheion gehandelt haben kann. Später wurde dann das nördliche Seitenschiff durch eine Mauer von der restlichen Basilika getrennt und als Saalkirche genutzt. Die Reduzierung des Kirchenraums erfolgte wohl in der Spätzeit der Siedlung, als die Bevölkerung, vermutlich nach den Arabereinfällen im 7.Jh., stark zuruckgegangen war. Um die Jahrtausendwende war der Platz dann endgültig verödefia. 61 seine Tradition knüpfte man nach der Neubesiedlung der Insel im 16. Jh. wieder an, indem man auf dem Plattenboden der Basilika die kreuzförmige Nikolaoskirche errichtete. Ihr Naos wurde L795 durch eine einschiffige Kapelle ersetzt (Beil. 9)35. Die Apsis dieser späten Kapelle blieb im Grabungsgelände erhalten36.

Abschließend sind für die Architektur die Fragen nach den formalen Bezügen und der Datierung zu klären. Schon Schneider hatte die polygonale Ummantelung der Apsis mit der Studiosbasilika in Istanbul in Verbindung gebracht3T. Ebenso erinnern die Proportionen des breiten Langhauses und die Säule nzahl der zweiten Phase an das hauptstädtische Vorbild. Von der Studioskirche unterscheidet sich die Basilika im Heraion durch das kleinere Format und die durchgehende Verwen33 Schleif a. O. (s. Anm. 3) Beilage 62. 34 Schneider a. O. (s. Anm. 2) 126. 35 Ebenda 126. 140 Nr. 16. Eine Skizze

aus der Zelt der Ausgrabung, die im pergamonmuseum in Berlin aufbewahrt wird, zeigt den Grundriß der Basilika und die beiden Bauphasen der Nikolaoskirche. 36 Der Naos der Saalkirche wurde erst im Lauf der Grabungen abgetragen (s. Taf. 74, 1). 37 Schneider a. O. (s. Anm. 2) 723.

Drs FnüHcHRrsrLrcHE Besruxe ru HrneloN voN Seuos

315

d.rrg von Spolienmaterial. Sehr ähnlich im Format ist dagegen die ehemalige Arianerkirche S. Spirito in Ravenna38. Sie besitzt ebenfalls eine polygonal ummantelte Apsis und sieben Säulenpaare im Langhaus. Ihr für ravennatische Verhältnisse sehr breites Mittelschiff wird mit dem direkten Einfluß konuantinopolitanischer Architektur erklärt. Die Abmessungen von S. Spirito sind nahezu identisch mit denen der Basilika im Heraion39. Daher kann die Höhe der Säulenschäfte von S. Spirito (ca. 3,50 m) fur eine Rekonstruktion auf die Basilika im Heraion übertragefi werden (Beil. 10, 1-2). Ansonsten zeigt ein Vergleich zwischen den beiden Kirchen in Istanbul und Ravenna geradezu exemplarisch, wie sehr sich Gebäude mit dem gleichen Grundriß im Aufriß unterscheiden können. In der Studiosbasilika tragen die Säulen einen Architrav, in Ravenna dagegen Kämpfer und Archivolten. In Istanbul sind die Fensterachsen an den Interkolumnien ausgerichtet, in Ravenna nicht, und in Istanbul sind zusätzlich zum üblichen Obergaden Emporen vorhanden, die in Ravenna aber fehlen. \ü7egen solcher Unterschiede ist eine weitergehende Rekonstruktion der Basilika im Heraion nicht möglich. Vermutlich wird sie aber auch Emporen besessen haben, die durch archäologische Mittel nur nicht mehr nachzuweisen sind. Denn Emporen sind in griechischen und kleinasiatischen Basiliken so häufig vorhanden, daß sie im oströmischen Reich u'ahrscheinlich die Regel gewesen sind. Schneider datierte die Basilika im Heraion an das Ende des 5. Jhs.ao. Seine Datierung scheint sich durch die Bauzeiten der Studiosbasilika (zwischen 450 und 45441) und von S. Spirito (um 500) bestätigen zü lassen. Aber eine Datierung allein mit Hilfe des Bautyps ist problematisch. Im ägäischen Raum gibt es ähnliche Basiliken, die mit Sicherheit erst im späten 6. oder fruhen 7. Jh. entstanden sind42. Und auch die Basilika im Heraion zeigt, daß man sich beim Umbau während der zweiten Phase nicht an dem alternimlichen Bautyp störte, rcndern ihn nahezu unverändert beibehielt.

38 f. §7. Deichmann, Ravennal (796D 207 f . Abb. 797. - Ders., Ravenna lI1. (7974) 241257. Ders., Ravenna II Plananhang (7976) Nr. 16. 17. 39 Die lichten Maße der Langhäuser im Vergleich: Ravenna ca. 17 x 20 m; Samos L6,20 x 19.45 m. Die Interkolumnien sind mit ca. 7,75 m in beiden Kirchen gleich. 4O Schneider a. O. (s. Anm. 2) 125. 4l C. Mango in: Byzantine and Modern Greek Studies 4, \978, 7'1.5-722. - U. Peschlow, ;bÖnyz 32. 4,1982,437 t. 42 Die Basilika von Emporio auf Chios muß nach Ausweis der Münzfunde nach 565 errichrct worden sein, s. S. Hood in: Excavations in Chios 1952 - 7955. Byzantine Emporio (1989) ll--27. - Für die Michaelskirche in Milet ist ein Datum zwischen 595 und 606 inschriftlich gesidrert, s. \ü. Müller-'W'iener - O. Feld, IstMitt 27/28, 1977/78,94 ff . 777 ff. Die Basilika untersdrcidet sich durch Pastophorien von den früheren Beispielen. Das einfache dreischiffige Langhus aber entspricht dem behandelten Typ.

StnprieN '§TnstpuernN

316

Neben der Basilika im Heraion ist auf Samos noch ein reicher Bestan d an fnihchristlichen Kirchen erhalten43. Überwiegend ist als Bauryp die Basilika vertreten. Im Vergleich zur Basilika im Heraion sind mehrere yariantefi zu unterscheiden. Die Basilika in den 'Dontia' inPythagoreion hat ebenfalls eine dreiseitig ummantelte Apsis, im Langhaus sind aber Säulen im §Techsel mit Pfeilern aufgestellt44. Die Basilika auf dem Kastro von pyrhagoreion hat dagegen eine runde Apsis und einen langgestreckten Naos mit zwölf Säulenpaaren45. Die formalen Unterschiede sind vielleicht auf Bautraditionen, aL in unterschiedlichen Zentrenwie Konstantinopel oder Thessaloniki entstanden sind, zurückzufuhren. Ein ähnliches Bild bietet die Kirchenarchitektu r auf dem benachbarten kleinasiatischen Festlanda'. Trctz der Unterschiede gehören

43 Unvollständige Zusammenstellungen der Kirchen finden sich bei Schneider

Anm. 2).

-x.

a. O. (s.

Tsakos, AEphem 7979,25. -L Siderokastros, 'H Er«lqoio rfr5 lopou ärrö rfl5 i6pÜoeco5 oütfr5 pdxpr o{gepov (7967) 3744. - N. Poulou-Papademetriou, Samos pal6ochr6tienne: l'apport du matdriel arch6ologique. Thöse pour le Doctorat, paris 1985 (Ms.). R. TölleKastenbein, AM 90, 1975,789 ff . Es gibt auf Samos folgende dreischiffige Basiliken: 1. Pytbagoreion, Kastro. Schneider a. O. (s' Anm. 2) 712-722 Abb.2 f. - R. Tölle-Kastenbein, Das Kastro Tigani, Samos Kv (7974)

92-107Plan9Abb.1,45-168282-1.73.2.Pytbagoreion,'Dontia'.TJ.Jantzen,AAg3, 196g,692 Abb. 4. - K. Tsakos, ADelt 34, t979, Chron 355-357 Taf . 762 Fd. poulou-papademerriou, Samos a. O.73fB Taf . 4245. J. pytbagoreion, Thermen. §7. Marrini, AA g6, tilt, ZZ4 Abbi,. 9. - Ders., AA 87, 1972,288 f. Abb. G9.- Ders., AA 88, 1973,427 f. Abb. 26. Ders., AA 90, 1975,37 ff. Abb' 25.28-3I. - Ders., Das Gymnasion von Samos, Samos xyt (1984),Taf .7.23', L. 27, 7. 30, 4. 34, 1 Beilage. - C. Steckner in: Actes du )Ce Congrös int. d'Arch. Chr6t. Lyon 1986 III (198» 2727-2739. - §7. Martini - C. Steckner, Das Gymnasium von Samos. Das frühbyzantinische Klostergut, Samos XVII (L99D. 4. pytbagorion, unter der panagifsa. Schneider ,' o' (t. Anm. 2) 179-727 Abb. 13 Beil. 44. 5. Paliomonastero.K. Tsakos, AEphem 1979,23 f .

Taf.7t c. d. 6. Kedros. E. Bamboudakes, Epeteris Hetaireias Byzantinon Spoudon 9,7932, 430439 Abb. r-7.

Unsicher sind die Berichte über folgende angeblich dreischiffige Basiliken: a) pytbagoreion, Gnr,ndstück G. Ollandezos. K. Tsakos, ADeh 28,7973, Chron 53V533 Abb. 7. b frf. 499 a.b. b) Pytbagoreion, Glypbada. Siderokastros a. O.39 Nr.4. -p.Lazandes, ADelt 23, 1968, Chron 398 Nr. 4 Taf. 359. c) Paleokklesia, östlicb Myloi. Siderokastros a. O. 40 Nr. g. dj Potami, unter der Kreuzkuppelkircbe. Siderokastros a. O. 42 Nr. 12. A. Petronotis in: 17th Int. Byzantine congress '\x/'ashington 7986, Abstracts of short papers (1996) 259. Neben den Basiliken sind noch zwei einschiffige Kapellen zu nennen: pytbagoreion, Kastro. Schneider a. O. (s. Anm. Z) 770-I7Z Abb.2Beil. 43. Tölle-Kastenbein, Kastro Tigani a. O.89-92Plan 9 Abb. ßg-744 Z 80 f . S. pelekanides p. I. Atzaka,Iüvroytrro röy nclcxro_ lprorrcrurxöu 'yq9r6oröu öoniöc»u

fi5

'EMdöos 0974) 135 t. Taf . Ll5 a. Misokampos. .§7. §7rede,

54, L929,65-95. - schneider a. o. (s. Anm. z) 96 Abb.1 s. 108 f. 138 Nr. 3. 44 Ygl. Anm. 43,Nr.2. 45 Ygl. Anm.43, Nr. 1. 46 Eine Zusammenstellung der kleinasiatischen Basiliken fehlt. Im vergleich zu den samischen Kirchen sind Basiliken aus dem nahegelegenen Mäandergebiet r,r rr..rrr..r, z. B. die Basilika im Adyton des Apollontempels von Didyma mit einer dieiseitig ummantelten Apsis und acht Säulenpaaren im Langhaus (T. \ü/iegand - H. Knackfuß, Didyma I1L941; Zg ff . Z 95 ANr

Dre pnüucHRrsrlrcHE Besrure

nra

HnneroN voN Seuos

317

alle genannten Basiliken zu dem einfachen dreischiffigen Typ wie er vor allem eus Griechenland in großer Zahl bekannt ist47 . Der altertümliche Baufyp hatte sich wegen seiner einfachen Konstruktion immer wieder bewährt; die Baumeister der Basiliken zeigen sich unbeeindruckt von deri aufwendigen architeltonischen Entwürfen im ägäischen Raum, in denen der Kirchenraum differenziert und der Völbungsbau eingeführt wird. AUSSTATTUNG

Die Baumeister der samischen Basilika benötigten für die architektonische Ausstattung kaum neue Werkstücke, da sie die Säulen wie das Material der ilhuern von älteren Gebäuden übernommen haffen. Es sind daher nur wenige Einzelstücke vorhanden, die mit der Architektur der Basilika in Verbindung gebracht werden können. Daztt gehört ein kräftiges Gesims mit den Resten einer Stifterinschrift, das von Schleif und Buschor dem Narthex der Basilika argeordnet wurde48. Vermutlich gehörte auch ein einzelner Pfeiler wegen seines hohen Formats in den architektonischen Ztsammenhang der Basilika: ScNanker Fensterpfeiler (?) mit einem angearbeiteten Kämpfer und einer Basis, die dem Kämpfer ähnelt (Taf. 78, 1;weißer Marmor; H 126,5 cm; D 1.2,5 cm; T oben i4 cm, Mitte 39 cm, unten 59 cm). Die beiden Hauptseiten sind jeweils mit einem Soffittenmuster versehen. Auf der Kämpferstirn der Vorderseite ein Kreuz. Flache Siebenseiten. Der Pfeiler könnte als Stütze eines Doppelfensters gedient haben49.

Ljmfangreicher sind die'§Terkstücke, die zu den Bema-Schranken oder den Ambonen gehörten. Bei ihrer Auswertung sind die Eigenheiten der Archirckrur mit einzubeziehen. Nach dem §Tiederaufbau der Basilika muß es zu einer Neuaufstellung der liturgischen Einrichtung gekommen sein. Dabei können Teile der Erstausstattung durch Neuanfertigungen ersetzt worden sein. hs Material ist daraufhin zu untersuchen, ob es entsprechend der zwei Bau-

Trf- 3), oder die Basilika von Priene mit ursprünglich zehn Säulefipaaren und, nach einem

Umhu, mit einem

Stützenwechsel zwischen Pfeilern und Säulen (T. §Tiegand - H. Schrader, Frhne. Ergebnisse der Ausgrabungen und Untersuchungen 7895 - 1598 [1904] 48748». 4'I Zusammengestellt sind die griechischen Basiliken von G. A. Soteriou, AEphem 1929,

ilErrs palEochr6tiens de Gröce d6couverts de

L

1959

d 7973 G977).

-

G. Gounaris in: Actes du

Bouras, Architectural Design 43, Jantar 1972, 30-37 mit einer Aufstellungbyzantinischer 289 aufgezählten Beispielen sind 55 in truhchristliche Zelt zu dmieren; zum großen Teil sind es einfache dreischiffige Basiliken. Die Aufzählung ist nicht ru[s:indig. Für Samos z. B. wird lediglich die Basilika im Heraion erwähnt. q8 Schleif a. O. (s. Anm. D 245 f . § Zu anderen Fensterpfeilern s. A. K. Orlandos, 'H §ul,öoreyo5 poortrrxn ris peooyercrxfr5 naürts tt (1954) 423 ff .

Enüen in Griechenland. Yon

318

StrpHeN §TnstpHernN

phasen gruppiert werden kann. Mit der Gruppierung ist automatisch die Datierung des Materials verbunden. Ihr kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie vielleicht Rückschlüsse für die Datierung der zweiBauphasen erlaubt. Die Basilika ist vollständig aus Spolien errichtet. Es stellt sich daher die Frage, wie weit auch für die liturgische Ausstattung Spolienmarmor verwendet wurde. 'W'enn Spolienmarmor als Material nachgäwiesen werden kann, dann sind die betreffenden st/'erkstücke als produkte regionaler §Terkstätten anzusehen. In diesem Zusammenhang ist das Verhältnis der regionalen Werkstätten zu den weit verbreiteten Produkten von der Prokonnesos im Marmarameer zu behandeln. 1. Bema-Schranken

Der Verlauf der Bema-Schranke in der jüngeren Basilika ist durch das Fundament bekannt. Das Bemawar im Mittelschiff in der Achse des zweiten Säulenpaars abgeschrankt. Gegen die Seitenschiffe wurden platten in die Interkolumnien gestellt, die in Rillen direkt in den Säulenschäften eingelassen waren. Da die Rillen erst 13 cm über der Unterkante beginnen, haben die Platten wahrscheinlich auf einem entsprechend hohen Schrankensockel gestanden. Das Fundament zeigt keine Versatzspuren, so daß die Einteilung der Bema-Schranke unbekannt ist. Von der Aufstellung in der älteren Basilika sind keine Spuren erhalten geblieben. An \üTerkstücken von den Bema-Schranken sind Pfosten und platten vorhanden. a) Scbrankenpfosten (Abb. 1) 1.}J33 cm; L 26,5 cm; T 15 cm. Unten Bruch, oben ein abgearbeitetes rundes Auflaget (Dm15,2 cm). Die Vorderseite ist durch ein SoffinenÄuster verziefi;die linke Seite und die Rückseite sind jeweils mit einer Einlaßrille versehen (B 7,5 cm bzw. 6 cm); die rechte Seire isr glatr. 2. H 72 cm; L 25,5 cm; T 24,5 cm. Unten Bruch; oben ein abgearbeitetes rundes

Auflager (Dm'J'3,4 cm). Auf der Vorderseite ein Soffittenmusier; die rechte Seite mit einer Rille (B 6 cm); die linke Seite ist grob gespitzt; auf der Rückseire sind die Reste einer Anathyrose und ein Dübelloch von einer älteren Verwendung stehengeblieben. 3. H 98,5 cm; L 30 cm; T 24 cm (Taf. 75, 2). Unren Bruch; oben ein rundes Aufla_ ger (Dm 13,5 cm). Die Vorderseite mit einem Soffittenmuster, die linke Seite mit einer Rille (B 7 cm); die rechte Seite ist glatt; in die glatte Rückseite wurde nachträglich eine weitere Rille eingelassen. 4.H37 cm; L 27 cm;T 23,6 cm. Unten Bruch, oben ein ausgebrochenes rundes Auflager (Dm 15,5 cm). Auf einer der schmalseiten eine Rille (g 6 cm). Die andere

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Abb.

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Schrankenpfosten. An- und Aufsicht (M 1 : 20)

Schmalseite ist grob gespitzt. Die Oberfläche des Pfostens ist nachträglich abgearbeitet worden; dabei ist auf den Breitseiten ein senkrechter Randstreifen stehengelassen worden. 5.H71, cm; L 24,5 cm;T 1,6,5 cm. Oben Bruch, unten glatt.Auf derVorderseite ein Soffiuenmuster; die linke Seite mit einer Rille (B 6 cm; sie beginnt 8 cm über der

Unterkante); die Rückseite ist glatt und die rechte Seite grob gespitzt. 6. Der obere Abschluß eines Pfostens mit angearbeiteter Säulenbasis. H 27,5; L 22 rm; T 8,5 cm. Die Rückseite ist abgebrochen. Die Basis setzt sich aus einer Plinthe, einem vereinfachten dreiteiligen Profil (§7ulst, Kehle, Wulst) und dem Schaftansatz zusaflrmen (rekonstruierter Dm L5 cm). 7-Il31,5 cm; L 13 cm; T 1,6,5 cm. Unten und an zwei Seiten Bruch; oben ein abgeaöeitetes rundes Auflager. Auf einer seite eine Rille (B noch 7,5 cm).

Die Schrankenpfosten gehören zu einer Serie. Sie zeigen die üblichen Merkmale mit einem Soffittenmuster auf der Vorderseite und angearbeiteten Basen

mit einem vereinfachten attischen Profil. Auf einer glatten Lagerfläche wie der von Fragment Nr. 6 war wahrscheinlich ein sepa rat5o gearbeiteter Säu-

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5O Über Schrankenpfosten mit angearbeiteten Säulen U. Peschlow in:'Appö5. Trpqrrxö5 röpo5 xo0rD,Arrt N. K. Mouroönoulo III (1991) 1449-7475. Vgl. auch Schrankenpfosten in poreg, -

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320

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lenschaft (Dm ca. 75 cm) befestigt gewesen. Als Material ist sicher Spolienmarmor verwendet worden; an Fragment Nr. 2 sind Spuren der älteren Verwendung stehengelassen worden. Bemerkenswert ist die ausgesprochen rohe Ausfuhrung. Die Muster sind nachlässig eingeritzt, die Oberflächen sind ungeglättet. Die Art der Verarbeitung legt die Vermutung nahe, daß bei der Aufstellung der Bema-Schranken ältere Quader direkt vor Ort schnell und nachlässig umgearbeitet worden sind. Eine Datierung der allgemein verbreiteten Muster ist nicht möglich. b) Schrankenplatten Es sind Bruchstücke von sieben Schrankenplatten erhalten geblieben, die ebenfalls zu einer Serie gehören. Sie lassen sich durch ihr Format und gering-

fügige unterschiede im Mittelmotiv in zwei varianten trennen. Zu der einen Yariante gehören die dickeren und längeren Platten. Auf ihrer Vorderseite ist ein Christogramm von einem Lorbe erkranz gerahmt, der von zwei Kreuzen flankiert wird; sie stehen auf Herzblättern, in denen die Bänder des Kranzes enden. 1. Aus mehreren Bruchstücken51 kann aufgrund des symmetrischen Motivs eine große Platte rekonstruiert werden(Abb. 2 Taf. 78, ?4; weißer, grau geäderter Marmor; L ca. 180 cm; H ca. 87 cm; D 7 cm). Vom Motiv der Vorderseite ist das Christogramm im Lorbeerkranz erhalten, vom rechten Kreuz der Stamm auf einem Herzblatt und vom linken ein Teil der Querhaste. Das Motiv der Rückseite ist auf eine große Scheibe mit einem Kreuz reduziert. Die seitlichen Ränder sind abgespitzt, um die Platte in die Rillen einzulassen. Ahnliche Abarbeitungsspuren am unteren Rand sind ein Hinweis, daß die Platte in einem Sockel stand. 2.EinMittelstück(Taf.79,3; L 20 cm; H 18 cm; D 6,5 cm) mit einem Christograrnm im Lorbeerkranz. Der Kranz ist aus wenigen Büscheln zusafirnengesteckt; die Blätter werden von Furchen getrennt, die sich am Blattgrund tropfenförmig erweitern. Auf der Rückseite die Reste einer Scheibe mit einem Kreuz. 3. Ein verschollenes Bruchstück (L 36 cm; H 50 cm; D 7,5 cm). ,Breiter Rahmen, dann ein auf ein Herzblatt endigendes Band; auf dem Band steht ein Kreuz .52. Auf der Rückseite befindet sich ein Kreuz in einer Scheibe, die von einem Rhombus eingefaßt wird.

E. Russo, Sculture del complesso Eufrasiano di parenzo (1997) 133 ff Nr. 77. 7g; 155 ff. Nr. 97-99; 167 tf . Nr. 105-111 Abb. 103. 724. 133. 51, Das Mittelstück mißt 37 x 45 cm; das obere Randstück 18 x 19 cm und das Seitenstück 65 x76 cm; es ist aus sechs anpassenden Fragmenten zusammengesetzt. 52 Schneider a. O. (s. Anm. 2) 123 Nr. 2 Abb. 16.

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