Analyse des Protagonisten in der Lektüre „Das Schloss“ von Franz Kafka

June 6, 2017 | Author: Janne Litzenberger | Category: Franz Kafka, Das Schloss
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Vgl. URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_freunde/max_brod/457360
URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schloss
Vgl. Rötzer, Hans Gerd (2003): Literarische Grundbegriffe auf einen Blick". Bamberg: C.C. Buchners Verlag, S. 150.
Vgl. URL: http://www.franzkafka.de/
Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Kafka
Vgl. URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/das_leben/
Vgl. Brown, Bernard J., S. J. (1973): Guilt and Death: A Thematic Study of Original Sin in Selected Existentialist Literature. Diss, Indiana University, S.64 (Kapitel 3).
Vgl. Kafka, Franz (2010): Das Schloss". Berlin: Insel Verlag, insel taschenbuch. S. 55.
Vgl. URL: http://prague09.wordpress.com/2009/07/06/franz-kafka-beziehungen-zu-frauen/
Vgl. URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_freunde/max_brod/457360
URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_freunde/457288
Vgl. URL: http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/kaf/kaf_gib.htm
Vgl. Fast, Evelyn (2004): Das Verhältnis Von K. zu den Frauen in Kafkas Roman Das Schloss'". Grin, Verlag für akademische Texte, S.3-5.
Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schloss
Vgl. URL: http://www.planet-wissen.de/laender_leute/tschechien/tschechien/kafka.jsp
Vgl. von Jagow: Jahrhaus,Hiebel Hinweis auf Adorno: Aufzeichnungen zu Kafka". S.459.
Petersen (1993): S.86 ff.
Vgl. Busse, Constanze (2001): Kafkas deutendes Erzählen: Perspektive und Erzählvorgang in Franz Kafkas Roman Das Schloss"", Münster: LIT Verlag, S.68.
Vgl. Brod, Max (1980): Das Schloss". Nachwort zur ersten Ausgabe. In: Politzer, Heinz: Franz Kafka. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 39 ff.
Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schloss
Vgl. Kauf, Thomas (2008): Eine Studie zu Max Brods Verständnis von Franz Kafka- Das Unzerstörbare in sich befreien"" Examensarbeit, Norderstedt, GRIN Verlag, S.52.
Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Process "Deutungsvielfalt"
Vgl. URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_familie/457289
Vgl. PFEFFEIR, Joachim (1997): https://home.ph-freiburg.de/pfeifferfr/kafka.htm
Vgl. URL: http://www.xlibris.de/Autoren/Kafka
Vgl. URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_familie/457289
Vgl. URL: http://www.new-media-engineering.com/inhaltsangabe.php?werk=Das-Schloss
2

Georg-Sonnin-Schule
Berufliches Gymnasium Technik
Klasse 11A




HAUSARBEIT
im Fach Deutsch

_________

Analyse des Protagonisten in der Lektüre
Das Schloss" von Franz Kafka






Verfasserin: Janne Litzenberger
Lehrerin: Frau Weilke-Gause
Abgabedatum: 14.01.2013
INHALTSVERZEICHNIS

1 Inhaltliche Zusammenfassung der Lektüre Seite 3

2 Personendiagramm Seite 5

3 Verhaltensanalyse vs. sozial-historischer Kontext Seite 6

4 Persönliches Meinungsbild zum Protagonisten K. Seite 9

5 Schlussfolgerungen auf der Grundlage der Textbedeutung Seite 10

Gesamteindruck Seite 10
5.2 Position des Autors Seite 10
5.3 Überzeugungskraft Seite 11
5.4 Aktualität Seite 11
5.5 Eigene Stellungnahme und Resümee Seite 12

6 Quellenangaben Seite 13

7 Erklärung Seite 15






Inhaltliche Zusammenfassung der Lektüre

Die Lektüre Das Schloss", aus dem Jahre 1926, des deutschen Autors Franz Kafka handelt von dem Kampf eines Einzelnen gegen die groteske und allgegenwärtige Bürokratie. Der Protagonist wird von Kafka stets nur als K." betitelt und somit bleibt der richtige Name für den Leser verborgen. In seinem Werk beschreibt Kafka das Vorgehen des Protagonisten K. gegen eine geheimnisvolle Schlossverwaltung.

In einer späten Winternacht trifft K. im Wirtshaus eines abgelegenen Dorfes ein, wohin er als Landvermesser bestellt wurde. Nachdem K. sein Nachtlager im Wirtshaus zugewiesen wird, weckt ihn der Sohn des Schlosskastellans erneut. K. erfährt, dass das Dorf unter dem strengen Regime des Schlosses des Grafen Westwest steht und er eine Aufenthaltsgenehmigung vorzuweisen hat.

Nach einem Telefongespräch mit dem Schloss stellt sich heraus, dass K. tatsächlich als Landvermesser erwartet wird. Am nächsten Tag bekommt er zwei Gehilfen vom Schloss bestellt, was ihn sehr verärgert, da er mit seinen eigenen gerechnet hat und die beiden als nicht besonders arbeitstüchtig einstuft. Der Bote Barnabas überbringt ihm einen Brief, im Namen des Beamten Klamm, in dem er über seine Arbeit im Dorf informiert wurde.
K. freundet sich mit Barnabas an und begleitet ihn an einem Tag zu seinem Haus. Da es zu spät ist um zum Wirtshaus zurückzukehren, sucht sich K. eine Übernachtungsmöglichkeit im nahelegenden Gasthaus Herrenhof, wo er auf den Beamten Klamm sowie die Kellnerin Frieda trifft. Frieda, die Geliebte Klamms, wird schnell die Geliebte von K. und die beiden verbringen eine Nacht zusammen im Schankraum. K. und Frieda entschließen sich zu heiraten, womit vor allem die Wirtin des Gasthauses nicht einverstanden ist. K. erfährt, dass seine Arbeit als Landvermesser gar nicht benötigt wird und ein Missverständnis vorliegt – es handelt sich um einen weit zurückliegenden Irrtum.

Um mit Frieda zusammenleben zu können, nimmt K. einen Posten als Schuldiener an und bezieht mit ihr das Schulgebäude. Nun versucht er auch die Gehilfen loszuwerden.
Bei einem erneuten Besuch von Barnabas Haus, erfährt er von seinen Schwestern Olga und Amalia, dass Amalia vor längerer Zeit den Brief eines Schlossbeamten zerrissen hat. Ihr gefielen seine unsittlichen Vorschläge nicht und sie war darüber sehr erbost. Da es sich hierbei um ein großes Vergehen handelt, denn Anordnungen von Beamten darf man sich in keinem Fall wiedersetzen, wird die Familie seitdem im Dorf verachtet und gemieden.

Frieda hört stets von den Bürgern im Dorf, dass K. die Liebe zu ihr nur spielen würde und sein Verhalten berechnend wäre. Sie selbst glaubt, dass K. sie mit einer von Barnabas Schwestern betrügt, woraufhin sie ihn verlässt. Kurz darauf erhält K. die Nachricht aus dem Schloss von einem Beamten, sein Verhältnis mit Frieda zu beenden.

Durch Zufall sieht K. die morgendliche Aktenverteilung im Gasthaus Herrenhof, was strengstens untersagt ist. Dabei lernt er das Zimmermädchen Pepi kennen, mit welcher er eine nähere Beziehung eingeht. Pepi erzählt ihm, Friedas Verhalten sei berechnend gewesen und bietet ihm an im Zimmer für die Stubenmädchen unterzukommen.
K.'s Zuversicht hinter die Fassaden des Schlosses blicken zu können und die Geheimnisse zu lüften, lassen mit der Zeit nach.

Laut Berichten des Herausgebers Max Brod sollte der Roman Das Schloss" mit dem Tod des Landvermessers K. enden. Ein von Kafka selbst verfasster Schluss existiert nicht, er wurde aber von Max Brod aus persönlichen Erzählungen des Autors rekonstruiert."
K.'s Bemühungen führten am Ende zu einer gewissen Annäherung, was ihn nach seinem Tod mit der Erlaubnis belohnt im Dorf zu leben und dort zu arbeiten. Jedoch haben sich ihm die Geheimnisse des Schlosses sowie des Dorfes nie aufgetan. Der Roman bricht daraufhin ab und schließt mit einem offenen Ende für den Leser ab.










2 Personendiagramm
Annäherung/ gutes VerhältnisAnnäherung/ gutes VerhältnisK.K.
Annäherung/ gutes Verhältnis
Annäherung/ gutes Verhältnis
K.
K.
Ablehnung/ schlechtes VerhältnisAblehnung/ schlechtes Verhältnis
Ablehnung/ schlechtes Verhältnis
Ablehnung/ schlechtes Verhältnis

Liebeleien, Heirat, Streitigkeiten, NäheLiebeleien, Heirat, Streitigkeiten, Nähe
Liebeleien, Heirat, Streitigkeiten, Nähe

Liebeleien, Heirat, Streitigkeiten, Nähe

Distanz, UnnahbarkeitDistanz, Unnahbarkeit
Distanz, Unnahbarkeit
Distanz, Unnahbarkeit
FriedaFriedaSchlossSchloss
Frieda





Frieda





Schloss
Schloss
Eifersucht, Informationsmitteilung, Distanz, RespektEifersucht, Informationsmitteilung, Distanz, RespektFreundschaft, VertrauenFreundschaft, VertrauenAnweisungserteilungAnweisungserteilungKellnerinKellnerin
Eifersucht, Informationsmitteilung, Distanz, Respekt
Eifersucht, Informationsmitteilung, Distanz, Respekt
Freundschaft, Vertrauen

Freundschaft, Vertrauen



Anweisungserteilung
Anweisungserteilung
Kellnerin
Kellnerin

Vertrauen, InformationsausgleichVertrauen, InformationsausgleichSchlossbeamter, KanzleivorsteherSchlossbeamter, KanzleivorsteherKlammKlammvom Brückenhofvom BrückenhofSchlossbeamterSchlossbeamterWirtin GardenaWirtin GardenaDorfvorsteherDorfvorsteherder Dorfkneipe/ Herbergsvaterder Dorfkneipe/ HerbergsvaterGehilfenGehilfenWirtWirtJeremias + ArturJeremias + ArturZimmermädchenZimmermädchenPepiPepiBarnabas SchwesternBarnabas SchwesternAmalia + OlgaAmalia + OlgaBote des SchlossesBote des SchlossesBarnabasBarnabas
Vertrauen, Informationsausgleich
Vertrauen, Informationsausgleich
Schlossbeamter, Kanzleivorsteher
Schlossbeamter, Kanzleivorsteher
Klamm



Klamm



vom Brückenhof
vom Brückenhof
Schlossbeamter
Schlossbeamter
Wirtin Gardena



Wirtin Gardena



Dorfvorsteher



Dorfvorsteher



der Dorfkneipe/ Herbergsvater
der Dorfkneipe/ Herbergsvater
Gehilfen
Gehilfen
Wirt



Wirt



Jeremias + Artur



Jeremias + Artur



Zimmermädchen
Zimmermädchen
Pepi



Pepi



Barnabas Schwestern
Barnabas Schwestern
Amalia + Olga



Amalia + Olga



Bote des Schlosses
Bote des Schlosses
Barnabas



Barnabas



SekretärSekretärStreitigkeiten, Misstrauen, AbneigungStreitigkeiten, Misstrauen, AbneigungStörfaktor, Abneigung, lästig, EifersuchtStörfaktor, Abneigung, lästig, EifersuchtMisstrauenMisstrauenInformationsmitteilungInformationsmitteilungInformationsmitteilung, Distanz Informationsmitteilung, Distanz Zuneigung, tiefsinnige Gespräche, tiefsinnige GesprächeZuneigung, tiefsinnige Gespräche, tiefsinnige Gespräche55

Sekretär



Sekretär



Streitigkeiten, Misstrauen, Abneigung
Streitigkeiten, Misstrauen, Abneigung
Störfaktor, Abneigung, lästig, Eifersucht

Störfaktor, Abneigung, lästig, Eifersucht

Misstrauen
Misstrauen
Informationsmitteilung

Informationsmitteilung

Informationsmitteilung, Distanz

Informationsmitteilung, Distanz

Zuneigung, tiefsinnige Gespräche
, tiefsinnige Gespräche
Zuneigung, tiefsinnige Gespräche
, tiefsinnige Gespräche
5
5

3 Verhaltensanalyse vs. sozial-historischer Kontext
In diesem Kapitel meiner Arbeit werde ich unter anderem auf die Frauen eingehen, die in dem Roman Das Schloss" in der Beziehung zu K. eine bedeutende Rolle spielen. Aufbau und Verlauf einer Geschichte hängen von der Personenkonstellation ab und von den Beziehungen der Personen zueinander. Des Weiteren werde ich Vergleiche zu Kafkas Leben untersuchen und die Parallelen zwischen ihm und dem Protagonisten K. im Folgenden in historische Zusammenhänge setzen, welche Kafka zu der damaligen Zeit erlebte.
Das Schloss" war Kafkas letzter Roman, kurz darauf nimmt er selbst einen Kuraufenthalt vor. Sein gesundheitlicher Zustand war zu diesem Zeitpunkt angeschlagen. Vergleiche und Parallelen zwischen Kafkas Leben, seiner Persönlichkeit und der Lektüre lassen sich schließen. Beispielsweise fühlte sich Kafka in seiner Kindheit von seinen Eltern allein gelassen, was sich später besserte durch eine seiner Schwestern. In der Lektüre ist der Protagonist K. ebenfalls auf sich alleine gestellt und versucht hinter die Fassaden des Dorfes und des Schlosses blicken zu dürfen.
Kafka stieß in seinem Leben ebenfalls auf Fragen, die ihn sehr beschäftigten. Er fragte sich beispielsweise, ob seine Krankheit als eine Strafe für ihn anzusehen sei. Die fehlende Integration K.'s war auch in Kafkas Leben von Bedeutung. Frauen halfen Kafka offensichtlich, feste Strukturen in sein Leben zu bringen und sich geliebt zu fühlen. Für K. stellen die Frauen offensichtlich eine gute Möglichkeit dar, um in das Schloss einzudringen, was ihn dazu führt Frieda auf dem schmutzigen Boden der Schankstube zu erobern, um mehr über Klamm in Erfahrung zu bringen. Gefühle sind hierbei fast vollständig ausgeschaltet und das Handeln verleiht dem Leser das Gefühl einer Zwangshandlung:
66 Sie suchte etwas und er suchte etwas, wütend, Grimassen schneidend, sich mit dem Kopf einbohrend, in der Brust des anderen suchten sie und ihre Umarmungen und ihre sich aufwerfenden Körper machten sich nicht vergessen, sondern erinnerten sich an die Pflicht zu suchen, […], fuhren manchmal ihre Zungen breit über des anderen Gesicht."
6
6
Frauen spielten im Leben des Franz Kafka eine ausschlaggebende Rolle und mit manchen von ihnen pflegte er einen innigen Kontakt, den er über viele Jahre aufrechterhielt. Auch seine Freundschaft zu Max Brod war sehr tiefsinnig und hielt bis zu seinem Lebensende. Einige Protagonisten sind auch für K. über die Lektüre hinweg relevant und präsent. Mit Barnabas, dem Boten des Schlosses, freundet er sich an und macht ihn sich von Nutzen. Er begleitet K. fast durchgängig durch die Lektüre.
Kafka war hinsichtlich der Frauen häufig unentschlossen, was die doppelte Verlobung mit seiner Ehefrau belegt oder auch Affären oder Kontakt mit Prostituierten. Frauen hatten einen besonderen Einfluss auf ihn. K. zeigt sich in der Lektüre ähnlich und entscheidet sich schnell für eine Heirat mit der Kellnerin Frieda. Er bemerkt anfänglich, dass die Frauen im Dorf und im Schloss einen besonderen Einfluss und Stellung haben. Er benutzt Frieda um über sie an Klamm zu gelangen. Durch die Frauen aus dem Dorf will er sich dem Schloss annähern und er handelt mit einer Weitsicht zu seinen Gunsten. Der Leser erfährt von den Frauen nichts, was nicht im funktionalen Zusammenhang von Bedeutung ist.
Nachdem die Beziehung zu Frieda in die Brüche geht, fängt er eine nähere Beziehung zu dem Zimmermädchen Pepi an, um im Dorf weiterhin bleiben zu können. Man kann somit sagen, dass sein Verhalten durchgehend berechnend ist. K. handelt mit einer Ausdauer, die der Leser zu spüren bekommt, da er starrköpfig von seinem Plan hinter die Fassaden des Schlosses zu blicken nicht abkommt. Erst am Ende der Lektüre gibt er, laut Aussage von Max Brod, entkräftet auf und stirbt.
Eine weitere, offensichtliche Parallele gibt sich mit der Namensgebung des Protagonisten K. Der Leser erwägt so den Gedankengang, dass es sich um Kafka selbst handelt, der hier die Rolle des Landvermessers annimmt.



Kafka schreibt sein Werk in einer Zeit des Nationalsozialismus, in dem viele Menschen ein neues Denken entwickelten. Die europäische Bevölkerung hatte den ersten Weltkrieg erlebt und modernisierte sich. Seine Lektüre hingegen zeigt sich von einer sehr altertümlichen Seite, welche von kleinen Details bestimmt wird. Die Menschen im Dorf nutzen bereits elektrisches Licht und Telefone, dennoch leben sie noch in der Monarchie. Dies versetzt den Leser in eine sehr unwirkliche und traumhafte Welt. Die Menschen gehorchen der grotesken Bürokratie des Schlosses, ohne die Hintergründe zu kennen oder in Erfahrung bringen zu wollen.
Zu dem Zeitpunkt wo Kafka die Lektüre verfasste, war dieses Verhalten in der Bevölkerung ähnlich zu beobachten, bis sich der Nationalsozialismus vollends durchsetzte und ausbreitete. Er selbst und seine Familie unterlagen dem jüdischen Glauben, was einen Zusammenhang vermuten lässt. Es lässt sich dennoch nicht explizit festmachen, ob der historische Kontext der damaligen Zeit einen Einfluss auf die Lektüre hatte.
Aus Kafkas Fragment lässt sich nur schwer eine eindeutige politische Meinung herauslesen. Es gibt keine überlieferten direkten Aussagen Kafkas zur zeitgenössischen Politik, was unter den historischen Umständen wirklich verwunderlich ist. Zu seinen Lebzeiten spaltete sich die Tschechoslowakei vom Großreich Österreich-Ungarn ab, aus einer Monarchie wurde eine Republik. Gleichzeitig wuchsen im Zuge der industriellen Entwicklung auch in der Tschechoslowakei kapitalistische Gedanken.
Die gegenteilige Auffassung, nämlich, dass Das Schloss" kein privates Schicksal darstellt, sondern weitreichende politisch-visionäre Aspekte beinhaltet, nämlich die vorweggenommene Sicht auf den Nazi-Terror, legt Theodor W. Adorno dar.


Persönliches Meinungsbild zum Protagonisten K.
Beim Lesen der Lektüre entstand bei mir das Gefühl, dass Kafka versucht dem Leser nur die nötigsten Informationen über den Protagonisten K. zu vermitteln. Die Person K. wird nur sehr wenig beschrieben, sein Handeln nimmt die wesentliche Rolle ein. Auch liefert das Buch in erster Hinsicht viel Ähnlichkeit mit Kafka (vgl. Kapitel 3). Ich denke, er hat sich beim Schreiben sehr gut selbst in die Rolle eingefühlt und an seiner Stelle von K. gehandelt.
Ich empfinde K. als einen intuitiven, scheinheiligen, dickköpfigen und rätselhaften Charakter. Gegenüber Frieda verhält er sich berechnend, lieblos und in einem gewissen Maße sogar arrogant. Dies finde ich recht unfair ihr gegenüber, denn sie scheint wahre Liebe zu empfinden. Sie ist dazu bereit, Klamm und den Brückenhof über Nacht mit ihm und ihr altes Leben zu verlassen. K. hingegen benutzt sie nur, um an Klamm zu gelangen. Dies wirft einen höhst unsympathischen Schatten für mich über den Hauptprotagonisten in Kafkas Werk.
K.'s wesentliches Problem, dass Durchschauen der herrschenden Verhältnisse zwischen dem Schloss und den Dorfbewohnern, macht er sich selbst zur Aufgabe. Meiner Meinung nach nur aus reiner Neugier. Was hat er davon, wenn er weiß was im Schloss vor sich geht und wieso die Rollen im Dorf dementsprechend verteilt sind? Erhofft er sich vielleicht, dass sich ihm ein noch viel größeres Geheimnis offenbart? Diese Fragen muss sich der Leser unumgänglich stellen. Was treibt K. an, so intuitiv vordringen zu wollen und die Bürokratie zu entlüften? Die Fragen werden bis zum Schluss nur minder beantwortet und die Antworten bleiben dem Leser verborgen. Ich kann sein Verhalten sehr gut nachvollziehen, denn Beharrlichkeit und Ehrgeiz (beides anfangs bei seinen Eigenschaften unterstrichen) sind ein natürlicher Charakterzug, die viele Menschen aufweisen.
Immer wieder musste ich innerlich Vergleiche schließen mit dem Kinderbuch Der Zauberer von Oz" und der kleinen Dorothy, welche in der Lektüre die Hauptprotagonistin darstellt. Auch sie versuchte unbeirrt in ein Schloss einzudringen und suchte sich dazu ihre Wege. K. verhält sich vergleichsweise ähnlich. Alles um ihn herum scheint verrückt zu sein. Dabei ist er es, der sich noch viel absurder und geradezu außergewöhnlicher verhält.

Schlussfolgerungen auf der Grundlage der Textbedeutung

Gesamteindruck
Das Schloss" weist ein perspektivisches Relief auf – das heißt das […] Zusammenwirken aller formalen, perspektivierenden Elemente eines Textes" . Dieses ist besonders schwierig zu erfassen. Die Problematik liegt darin, dass oftmals nicht klar zu entscheiden ist, von welchem Standort aus die dargestellte Wirklichkeit zu bewerten ist. Die Perspektivität vieler Erzählsituationen ist mehrdeutig lesbar. Dies trägt zu einem Gesamteindruck des Romans bei, der verunsichernd auf den Leser wirken kann und ihn dazu anregt, das Geschehen aus den verschiedenen Perspektiven zu betrachten. In den mehrdeutig formulierten Erzählsituationen gibt es keinen festen Ort für einen Sprecher, weder für die Erzählstimme noch für die Figur.
Ein Ich" als eindeutig fixierbare Instanz, das von welcher Position auch immer die Welt wahrnimmt und bewertet, findet im Schloss" keinen festen Platz. Durch die oftmals mehrdeutige Perspektive erhält der Roman seine besondere Wirkung, weil es keine klaren Sprecherpositionen gibt.
Max Brod fasst seinen Gesamteindruck von Das Schloss" hingegen zusammen, dass in dem Romanfragment eine Ahnung einer vom menschlichen Verstand nicht völlig erfassbaren, geistigen Dimension, einer Sphäre des Absoluten wie durch einen Schleier aufleuchtet.
Position des Autors
Das Schloss ist neben Der Verschollene" […] und Der Prozess" einer der drei unvollendeten Romane von Franz Kafka. Kafka erscheint in der Lektüre wie ein Mittler, der der geistigen Sphäre sehr nahe steht und dem gewissermaßen die Rolle des Vermittlers oder Übersetzers zwischen dem Bereich des Westlichen und dem des Absoluten zufällt.
Die nachweislichen Parallelen zwischen dem Protagonisten K. und Kafka lassen auf einen Bezug schließen. (vgl. Abschnitt 3 dieser Arbeit). Kafka schrieb angelehnt an sein wahres Leben die Lektüre, weswegen der Roman autobiografisch gesehen werden kann. Fast sein ganzes Lebenswerk ist geprägt von Problemen der Abhängigkeit und der psychischen Fixierung auf übermächtige Autoritäten, was sich unter anderem auch in diesem Roman wiederspiegelt.
Überzeugungskraft
Der Roman strahlt eine unverwechselbare Atmosphäre aus und zieht den Leser mit seinen bizarren Protagonisten in den Bann. Auch der eigene Schreibstil Kafkas gibt dem Roman seinen eigenen Charakter.
Dennoch ist es für die meisten Leser schwierig sich in das Buch hineinzufinden, da die Handlung keinen wirklichen Schwung bekommt und auch die Spannung im gesamten Buch eher niedrig gehalten ist. Durch den überlegen wirkenden Protagonisten K. und seine Handlungen bekommt das Buch jedoch einen Anreiz, der den Leser motiviert und auf einen Umschwung hoffen lässt. Nicht umsonst zählt Kafkas Werk zu der großen Weltliteratur.
Aktualität
Wer solche Maßstäbe wie Franz Kafka an die Literatur anlegt, kann dieses Werk nicht mit der normalen Bettlektüre" vergleichen. Kafka setzte Maßstäbe, mit denen man sich noch heute beschäftigt. Seine Texte scheinen gar endlos analysierbar und interpretierbar zu sein. Er prägte eine ganze Generation der Romane und wird heute noch als Unterrichtsmuster an Schulen verwendet. Denkmäler und Skulpturen lassen uns heute (explizit in seiner Heimatstadt Prag) an seine herausragenden Arbeiten erinnern.
Kafkas schmales Werk ist eine der schärfsten, kritischsten und zugleich satirischsten Romane der Weltliteratur – es enthält eine radikale Kultur- und Zivilisationskritik. Der Roman Das Schloss" befindet sich auf einer zeitlosen und damit auch modernen thematische Ebene, auf der sich die meisten Kafka-Texte bewegen. Trotz aller Groteske stellt es die zentralen zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrer Zerbrechlichkeit und all ihren Hindernissen dar, welche entscheidende Rolle von K. in der Lektüre übernommen wird. Sein Werk bringt somit etwas Zeitloses mit sich und wird wohl auch noch in vielen Jahren von Bedeutung und Aktualität für die literarische Welt sein.

Eigene Stellungnahme und Resümee
Bis zum Schluss bietet der Roman offene Fragen über K. und vieles bleibt für den Leser ungeklärt, was durch das offene Ende unterstrichen wird. Der Roman wirkt auf mich düster und unklar, da oftmals bestimmte Situationen von Kafka nur angedeutet wurden. K. stellt sich mir als fraglichen Protagonisten gegenüber, den ich bis jetzt noch nicht vollends durchschaut habe. Ich denke dies ist eine gewollte Absicht Kafkas, der sich selbst auch sehr strittig verhielt und sich verschlossen gegenüber anderen zeigte. Er beschreibt K. als ein Individuum, was den Bewohnern des Dorfes und dem Schloss hilflos ausgeliefert ist, auf eine verfremdete und ungewöhnliche Weise. Den gesamten Roman hinweg kämpft er gegen eine anonyme Macht an und verliert scheinbar. Es steht offen, aus welchem Grund heraus.
Sein letzter Roman bleibt somit unvollendet. Das Ende dieses Romans ist abrupt und fragmentarisch, nicht zuletzt durch das Ableben des Autors.







6 Quellenangaben

BROD, Max (1980): Das Schloss". Nachwort zur ersten Ausgabe. In: Politzer, Heinz: Franz Kafka. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 39 ff.

BROWN, Bernard J., S. J. (1973): Guilt and Death: "A Thematic Study of Original Sin in Selected Existentalist Literature". Diss, Indiana University, S.64 (Kapitel 3).

BUSSE, Constanze (2001): Kafkas deutendes Erzählen: Perspektive und Erzählvorgang in Franz Kafkas Roman Das Schloss"", Münster: LIT Verlag, S.68.

FAST, Evelyn (2004): Das Verhältnis von K zu den Frauen in Kafkas Roman Das Schloss'". Grin, Verlag für akademische Texte, S.3 ff.

KAFKA, Franz (2010): Das Schloss". Berlin: Insel Verlag, insel taschenbuch.

KAUF, Thomas (2008): Eine Studie zu Max Brods Verständnis von Franz Kafka- Das Unzerstörbare in sich befreien"" Examensarbeit, Norderstedt, GRIN Verlag, S.52.

POLITZER, Heinz (1980): Franz Kafka". Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

RÖTZER, Hans Gerd (2003): Literarische Grundbegriffe auf einen Blick". Bamberg: C.C. Buchners Verlag, S. 150.

VON JAGOW: Jahrhaus, Hiebel Hinweis auf Adorno: Aufzeichnungen zu Kafka". S.459.









Internetquellen (zuletzt aufgerufen am 03.01.2013):

URL: http://www.teachsam.de/arb/operatoren/Operatoren_D/arb_op_d_3_2.htm

URL: http://schul-grammatik.de/deutsch/sachtextanalyse/index.php

URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schloss

URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_freunde/max_brod/457360

URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/das_leben/

URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Kafka

URL: http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/kaf/kaf_gib.htm

URL: http://www.dhm.de/lemo/html/1926/

URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_freunde/457288

URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_freunde/max_brod/457360

URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_familie/457289

URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Process "Deutungsvielfalt"

URL: PFEFFEIR, Joachim (1997): https://home.ph-freiburg.de/pfeifferfr/kafka.htm

URL: http://www.xlibris.de/Autoren/Kafka

URL: http://www.franzkafka.de/franzkafka/die_familie/457289

URL: http://www.new-media-engineering.com/inhaltsangabe.php?werk=Das-Schloss

7 Erklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Hausarbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe.
Die Stellen der Hausarbeit, die anderen Quellen im Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen wurden, sind durch Angaben der Herkunft kenntlich gemacht. Dies gilt auch für Zeichnungen, Skizzen, bildliche Darstellungen sowie für Quellen aus dem Internet.



Reppenstedt, 08. Januar 2013

Janne Litzenberger



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